Stiftskirche

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Die heutige Gestalt der Stiftskirche geht im wesentlichen auf die Barockisierung des 17. und 18. Jahrhunderts unter den Stiftsbaumeistern Carlo Antonio Carlone und Jacob Prandtauer zurück. Unter den Dekorationen aus Stuck und Freskomalereien der Brüder Ginzenberger schlummert aber immer noch die gotische Architektur des 13. und 14. Jahrhunderts. Die frühgotische Basilika mit östlichem und westlichem Querhaus, im Osten mit einem in die Vierung hinausgezogenen Hochchor und ans Querhaus angesetzten Seitenapsiden, im Westwerk einem Hochchor über die gesamte Breite des Querhauses mit vorgesetztem zweigeschoßigem Torbau, im Schiff hohe Seitenschiffe und niedrigem, von Oculi durchfenstertem Obergarden, gegliedert von kreuzförmigen Pfeilern mit vorgesetzten Halbsäulen hat sich fast vollständig unter der barocken Oberfläche erhalten. Renovierungsarbeiten in den 40<s>g</s>er Jahren des 20sten Jahrhunderts haben zumindest in den Läuthäusern des Westwerks diese Formensprache wieder sichtbar gemacht. Beim Öffnen der Stiftergruft vor dem Hochaltar kam das Hochgrab des Stiftersohnes Gunther zum Vorschein, das heute im südlichen Läuthaus einen neuen Aufstellungsort gefunden hat. Ab 1304 nachweisbar, war es bis ins 18. Jahrhundert hinter dem Kreuzaltar in der Mitte des Kirchenschiffes platziert. Erst als Prandtauer mit der heute sichtbaren Mittelstiege den Hochchor zum Schiff hin öffnete, wurde es abgetragen und in einer eigenen Gruft vor dem Hochaltar beigesetzt. Wenn es auch stilistisch noch in die Mitte des 13. Jahrhunderts weist, so dürfte dies wohl nach der Quellenlage als historisierende Tendenz zu werten sein. Die Grabplatte zählt zu den monumentalsten Großplastiken dieser Zeit in Österreich.

StiftskircheUnter Abt Anton Wolfrath erhält die Stiftskirche zunächst ihr noch heute erhaltenes Pflaster, das östliche Querhaus wird auf die Höhe des Chores aufgefüllt und mit den seitlichen Stiegen und Chorgittern ausgestattet. Die seitlichen Apsiden werden niedergelegt und in östliche Richtung durch laternengeschmückte Kapellen ersetzt. Hier Ruhen die Reliquien des Heiligen Agapitus, die im 11. Jahrhundert aus Rom hierher übertragen wurden (Südchor) und die der Heiligen Candida, Päpstliches Geschenk zum 900-jährigen Stiftsjubiläum (Nordchor). Unter Abt Ehrenbert Schrehvogl folgte die für das Erscheinungsbild der Stiftskirche prägendste Umgestaltungswelle. Giovanni Colomba und Giovanni Barbarini kaschierten die noch gotischen Spitzbögen der Arkaden unter Holzverschalungen und stuckierten Kartuschen, Gesimsen und Atlanten. Die Gewölbefelder selbst freskierten die Gebrüder Ginzenberger aus Krems mit einem Zyklus von neu- und alttestamentlichen Szenen, beginnend mit der Weihnachtserzählung im Ostchor das Mittelschiff nach Westen folgend Leben, Passion und Verherrlichung Christi, während die Seitenschiffdecken einer Bibila Pauperum ähnlich entsprechende Szenen des Alten Testaments flankieren ergänzen.

Eindrucksvoll fügt sich in dieses System von Symmetrie und Richtung die Gestaltung der Konzeption der Seitenaltäre ein. Fast alle Altarblätter sind als Doppelbilder auf Nord- und Südwand verteilt (von West nach Ost: Remp und Reselfeld Kreuz- und Allerseelenaltar, de Neve: Annen- und Josefsaltar, Turriani: Corpus Christi- und Getsemanialtar , Loth: Peter- und Paulsaltar und wiederum Remp: Benediktsaltar). Die Rahmen wechseln zwischen vergoldeter Schnitzerei und Wurzelfurnier. Was aber diese Gestaltung insbesonders  auszeichnet ist die Präsentationsform dieser Bilder durch die Engelsfiguren des Michael Zürn (1682-1686), einem Schüler Berninis. Am Spätwerk seines Lehrers orientiert steigern seine acht Engelsgestalten (2.-4. Joch des Langhauses und Nebenchöre) ihre Intensität des Lichtspiels und der dramatischen Bewegtheit zum Ostchor hin. Die restlichen Engelsskulpturen der Altäre des 18. Jahrhunderts hingegen schufen Johann B. Spatz d. J. und Josef Anton Pfaffinger in ihrer Monumentalität zwar dem Auftraggeberwillen entsprechend stärker am Frühwerks Berninis orientiert, aber zugleich um einiges schwerfälliger. Zentrum dieses Konzepts ist der Hochaltar selber, geschaffen vom Münchner Hofmaler Johann Andreas Wolf (1712). Die Verklärung Christi ersetzt das Bild des Stiftspatron, des Christus Salvator, dessen Darstellung Carlone für den Giebel des Westportals vorsieht. Als szenisches Pendant entfaltet die Taborerzählung die Vision des in überirdischem Weis erstrahlenden Welterlösers vor den Zeugen der Schrift und der Apostelvertreter. Seine bleibende Erscheinung im Altarssakrament wird unterhalb entsprechend der tridentinischen Tradition im Domus Aurea des Tabernakels vorgestellt.

Die ursprünglich nur zu Festzeiten aufgehängten Tapisserien des Brüsseler Webers Heinrich Reydams vom Ende des 17 Jahrhunderts wurden 1720 angekauft und mit neuen Bordüren versehen. Sie stellen die Geschichte des ägyptischen Josefs dar, jenes Patriarchen, der mit der Gabe des Traumes und der Traumdeutung ausgestattet war und so thematisch die Frage nach der Sichtbarkeit des Heiligen fortsetzen, wie schon die weisenden Engelsfiguren und die Taborszene selbst.

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