Schatzkammer

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Im ehemals Kaiserlichen Schlafzimmer des Adligen Gasttrakts (Gobelinzimmer) im zweiten Obergeschoß werden seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts die wichtigsten Cimelien des Stiftes gezeigt.

Die Wanddekorationen entsprechen der Selbsttypologisierung Kaiser Leopolds I. als dem neuen Tamerlan. Die Antwerpener Teppiche des 17. Jahrhunderts stellen den Sieg und Triumph des mongolischen Khans über das Heer des Osmanen Baiazet vor, der 1403 bei Ankara die türkischen Heere vernichtend geschlagen hatte und den Sultan selbst als Gefangenen in seine Hauptstadt Samarkant führen ließ. Der für seine Grausamkeit im Krieg ebenso berühmte Herrscher wie für seine Kunstsinnigkeit gepriesene Muslim war der letzte Bezwinger des aufstrebenden Osmanischen Reiches bis ins 17. Jahrhundert, weshalb ihn sich Kaiser Leopold I. als Vorbild erwählte, der selber vor den heranrückenden türkischen Truppen aus Wien nach Passau fliehen musste.

Der Tassilokelch

WC9Z4370WC9Z4370c_(800_x_600) (2)Das wohl kostbarste Stück agilofingischer Schatzkunst, das den Untergang der freien Bayrischen Herzöge überdauert hat, ist der nach seiner Fußumschrift benannte Tassilokelch, der in Kremsmünster so eng mit der Stiftstradition verwachsen ist, dass er unabhängig von seiner Entstehung hier gleichsam im Rang einer Reliquie die Stiftsmitglieder an ihren Stifter rückzubinden vermag. Die Kelchumschrift: + TASSILO DUX FORTIS + LIUTPIRC VIRGA REGALIS nennt neben Tassilo als dem tapferen Herzog (der Bayern) auch seine Frau, Liutpirc aus königlichem Stamm (eine langobardische Prinzessin). Das zweiteilig geschmiedete Kupfergefäß mit aufgenieteten Silbermedaillons zeigt an der Cuppa Christus als den zum Gericht wiederkehrenden Weltenrichter auf dem Thron mit der Buchrolle des Lebens in der Hand, umgeben von den Evangelisten und ihren Symbolen, die in der apokalyptischen Literatur den Wesen am Thron des Lammes entsprechen. Die Brustmedaillons am Fuß des Kelches sind bis auf Johann Baptist nicht eindeutig zu lesen, auch wenn ihnen Namenskürzel beigegeben sind (J(ohann) B(aptist); MT; PT; TM). Die Silbermedaillons sind durchgängig in Niellotechnik verziehrt, die verbleibenden Kupferzwickel und –bordüren des Kupferkorpus graviert und vergoldet. Diese gravierten Ornamente wechseln zwischen Bandwerk- und Drachenornamentik, dazwischen treten aber auch immer wieder antikisierende Floralornamente auf, die stilistisch während der Regierungszeit Tassilos kaum nördlich der Alpen vorstellbar sind. Diese Beobachtungen legen den Schluss nahe, dass es sich bei diesem Becher um eine langobardische Arbeit aus den 60er Jahren des 8. Jahrhunderts handeln könnte, möglicherweise um den Hochzeitsbecher Tassilos und seiner Frau. Der Kelch wird bei der Abtwahl im Kloster als Wahlurne verwendet, was noch auf die Tradition des Stiftungsbechers verweist, in der er seit dem 16. Jahrhundert beim Stiftertag verwendet wurde, indem nach Verlesen des Stifterbriefes vom Abt den Gästen bei Tisch gereicht wurde. Abt Albert Bruckmayr (*3.12.1913 – +26.6.1982) ersetzte diese Tradition durch eine Umwidmung als eucharistisches Gefäß ebenda am Stiftertag sowie bei der Abendmahlsfeier am Gründonnerstag der Karwoche. Links zum Tassilokelch http://www.beyars.com/de_tassilokelch.html http://de.wikipedia.org/wiki/Tassilokelch

Die Tassilo-Leuchter

Die in der Haustradition ebenfalls auf Herzog Tassilo zurückgeführten Tassiloleuchter, dürften in ihrer derzeitigen Montierung nicht vor dem 10. Jahrhundert entstanden sein. Offensichtlich wurden verschiedene Spolien zusammengefügt, ohne dass man entscheiden könnte, welche Teile wirklich die älteren wären. Die gegossenen, mit nielliertem Silber und Vergoldungen geschmückten Füße stammen wohl kaum aus derselben Werkstatt wie die getriebenen und mit nielliertem Silber umwundenen Schaftteile. Auffällig ist für die gegossenen Schaftkugeln, dass auch diese wiederum kein einheitliches Erscheinungsbild bieten, Zumindest eine der Kugeln dürfte nachträglich ergänzt worden sein.

Codex Millenarius Maior

millenariusmillenariusinnenCodex Cremifanensis Cim. 1 um 800, Kremsmünster oder Mondsee Der Codex Millenarius, der alle vier Evangelien in lateinischer Übersetzung enthält, gehört zu jenen drei kostbaren Heiligtümern unseres Klosters, die von überragendem sakralen und kulturhistorischen Wert sind. Neben dem Tassilokelch und den Tassiloleuchtern ist auch der Codex Millenarius heute noch in feierlicher Verwendung. Sein unschätzbarer Wert bestimmt sich durch sein hohes Alter, durch die Schönheit seiner Schrift und durch seinen hervorragenden Buchschmuck. Zudem ist mit seinem Text der einzige, gut erhaltene Zeuge einer verschwundenen bayrisch-österreichischen Form der Vulgata erhalten. Der Codex Millenarius ist um 800 im Skriptorium von Mondsee, dem Mutterkloster von Kremsmünster, oder vielleicht in Kremsmünster selbst entstanden. Seit seiner Entstehung dürfte er in Kremsmünster gewesen sein. Der Buchschmuck aus der karolingischen Zeit besteht aus insgesamt acht Vollbildern mit der Darstellung der vier Evangelisten und ihrer Symbole, aus den dazugehörigen vier Prunkinitialen am Beginn der Evangelientexte und aus geringen Resten der Kanonestafeln. Zusammen mit dem bildlichen Schmuck macht eine feierliche karolingische Schrift (Unziale) den heiligen Text zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk. zurück