Bibliothek

header BibDie Bibliothek mit ihren 160.000 Bänden zählt zu den größten stiftischen Büchersammlungen Österreichs. Auf einer Länge von 65 Metern schuf wiederum Carlo Antonio Carlone das barocke Gehäuse, in dem diese Sammlung während der 80er Jahre des 17. Jahrhunderts einen repräsentativen Rahmen erhielt. Zugleich WC9Z1570WC9Z1570_(800_x_600)entwickelte der Baumeister hier zum ersten Mal nördlich der Alpen das Konzept einer Galeriebibliothek, das die vier aufeinanderfolgenden Säle mit Portalen verbindet. Vom Eingang aus der Klausur her betrachtet bewirken die gestaffelten Portaldurchblicke eine illusionistische Tiefenwirkung, die darüber hinwegzutäuschen vermag, dass die Räume architektonisch keineswegs auf einer räumlichen Achsialität aufbauen. Der Freskenschmuck Melchior Steidels (Kehlbogenportraits, Deckenfresken der westlichen Räume in Zusammenarbeit mit Josef Ruffin) und Christoph Lederwaschs (östliche Deckenfresken) reflektiert Weisheit und Autorenschaft. Saalweise wird dieses Programm entfaltet: Der von klassischen griechischen Autorenportraits dominierte Ostsaal (Griechensaal) reflektiert die Inspiration von Original und Übersetzung. Der zentrale Disput Alexander des Großen mit den Schriftgelehrten, die sch weigern, die Heilige Schrift ins griechische zu übertragen, wird symmetrisch von der Offenbarung der Gesetzestafeln am Sinai und dem Turmbau zu Babel flankiert, Der wegen der klassischen lateinischen Autoren des Mittelsaal auch Lateinersaal genannte Folgeraum widmet sich der Haltung gegenüber der Weisheit, veranschaulicht am Beispiel des Gebetes Salomons um Weisheit als Voraussetzung gerechten Regierens und dem Besuch der Bibliothek_Weissenbrunner_WC9Z1543WC9Z1543_(800_x_600)Königin von Saba, während im Westsaal, wegen der Autorenportraits auch Benediktinersaal genannt, sich der Überwindung weltlicher Weisheit durch die göttliche Gnade stellt. Der zwölfjährige Jesus im Tempel verblüfft die Schriftgelehrten und Paulus verkündet auf dem Athenischen Areopag Christus als den unbekannten Gott, den die Griechen verehren. Das Fresco des vermittelnden Kabinetts nennt die Kirche als Medium und Wächterin solcher Weisheit, ohne sich die Anspielung verkneifen zu können, dass zwar der Geist der Schild der Kirche sei, ihre Helmzier aber der Verrat des Petrus, der Hahn der Verleugnung, ist.

Allein der Blick auf die Inhaltstafeln der Bücherkästen (Balthasar Melchior, 1707/1708) verdeutlicht, dass hier nicht nur theologische Werke gesammelt wurden, sondern dass sich der wissenschaftliche Anspruch dieser Bibliothek auch auf juristische, mathematische, geographische und nicht zuletzt astronomische Gegenstände bezog.

Der Codex Millenarius

Unter den 400 mittelalterlichen Handschriften des eigens gesicherten Handschriftenkabinetts sind besonders die beiden karolingischen Prachtevangeliare hervorzuheben, die als Codices millenarii bezeichnet, einen glanzvollen Bezug zur Gründungszeit herstellen. Ihr Neueinband durch den Welser Goldschmied Heinrich Vorrath markiert in Kremsmünster zugleich den Aufbruch des Stiftes nach der Reformation.

Handschriften & Betrieb

Ein Überblick über die Handschriften des Stiftes Kremsmünster kann über die folgende Homepage (viele andere Bibliotheken ebenfalls) gewonnen werden.

Die Handschrift CC Cim. 6 (Vaticinia Pontificum) wurde im Rahmen eines schulischen Talentförderkurses digitalisiert und kann hier angeschaut werden. Die Digitalisierung weiterer Handschriften wird überlegt.

Abgesehen von der „Schaubibliothek“ – dem Teil, den Besucher zu sehen bekommen, – ist unsere Stiftsbibliothek eine „aktuelle Bibliothek“. An der elektronischen Erfassung des Katalogs wird zur Zeit gearbeitet. Ein Teil davon ist im Internet auf der Homepage der Firma DABIS, dem Lieferanten der Bibliotheks-Software BIS-C, am virtuellen Verbund-Server des theologischen und kirchlichen Bereiches der Firma DABIS abrufbar

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