„Wer den Sohn hat,…“

Impuls von P. Josef zum 5. Sonntag der Osterzeit.

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. … Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ –  sagt Jesus.
LINK zum gesamten Sonntagsevangelium (Joh 14, 1-12)

Was wir so aus dem Munde Jesu hören, illustriert für mich eine Erzählung:

Ein Kunsthändler – so wird erzählt – hat eine Fülle kostbarster Schätze angesammelt. In seiner Wohnung hängen Bilder von Picasso, Monet, Matisse, Van Gogh … Sogar ein Vermeer soll dabei sein, munkelt man. Bei seinen Expeditionen durch ganz Europa begleitet ihn sein Sohn, und der Vater ist stolz, dass der Junge sich zu einem perfekten Kunstkenner entwickelt.
Doch dann kommt der große Krieg, und der Sohn wird eingezogen. Nach Monaten erreicht den Vater die Nachricht, dass sein Junge gefallen sei – bei dem Versuch, einen verwundeten Kameraden zu retten. Der Vater hat das Gefühl, in einem Meer von Trauer und Verzweiflung zu ersticken.
Es kommt das Weihnachtsfest, das traurigste für den alten Mann. Am Heiligen Abend schellt es an der Tür. Ein junger Soldat mit einem Paket unter dem Arm bittet um Einlass. „Ich bin derjenige“, stellt er sich vor, „dem Ihr Sohn das Leben gerettet hat. Ihm kann ich nicht mehr danken, wohl aber seinem Vater, von dem er immer so begeistert erzählt hat. Ich bin selbst Maler, wenn auch ziemlich unbedeutend. Aber ich habe Ihnen ein kleines Geschenk mitgebracht.“ Dabei packt er ein Bild aus: das Porträt des Sohnes. Überrascht und glücklich verspricht der Vater, dem Bild einen Ehrenplatz zu geben. Nachbarn sagt er, dies sei das schönste und wertvollste Geschenk, das er je erhalten habe.

Im kommenden Frühjahr stirbt der alte Mann. Testamentarisch hat er verfügt, dass sein Nachlass an einem Heiligen Abend versteigert werden solle, an jenem Tag, an dem er sein kostbarstes Geschenk erhalten habe.
Die Auktion findet am 24. Dezember statt. Kunsthändler aus aller Welt sind angereist, um eines der wertvollen Gemälde zu ergattern. Allgemeines Befremden, als der Auktionator ein Bild aufruft, das gar nicht auf der Liste steht. Proteste im Saal: „Das ist doch nur ein wertloses Porträt!“ Der Auktionator besteht darauf, dieses Bild zuerst zu veräußern. Ungeduldiges Gemurmel. Da hebt ein älterer Herr die Hand: „Ich war mit dem Kunsthändler befreundet und bin nur deshalb aus Neugier hier. Genügen zehn Euro? Mehr habe ich nicht bei mir. Ich kannte den Sohn, darum nehme ich das Bild gerne.“ Wieder wartet der Auktionator ungewöhnlich lange. Dann ruft er: „Zehn Euro sind geboten. Zehn Euro zum Ersten, zum Zweiten – und zum Dritten!“ Der Hammer schlägt hart auf. „Geht es jetzt endlich zur Versteigerung der wertvollen Stücke!“, ruft einer aus dem Saal. Da sagt der Auktionator: „Die Auktion ist beendet!“ Ein unbeschreiblicher Tumult bricht aus.

Der Auktionator erklärt: „Der Vater hat testamentarisch verfügt: Wer den Sohn nimmt, der bekommt alles.“

Verfasser unbekannt

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ – sagt Jesus.
Wer den Weg Jesu geht, wer die Wahrheit Jesu glaubt und wer sich nach einem Leben in und mit Jesus sehnt, für den erfüllt sich sein Dasein in unendlicher Weite.

„Wer den Sohn nimmt, der bekommt alles.“

P. Josef Stelzer

Bild: Peter Wiedemann, in: pfarrbriefservice.de
mit jesus auf dem weg