Dem Ruf folgen

Impuls von P. Josef zum 4. Sonntag der Osterzeit.

„… die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören einzeln beim Namen …“ (Joh 10,3)
Evangelium des 4. Ostersonntags: Joh 10,1–10: HIER

Der Vergleich mit einer Schafherde gefällt vielen Menschen nicht, gelten doch Schafe landläufig als dumm und das sprichwörtliche schwarze Schaf genießt auch wenig Ansehen. Wie bei vielen Vergleichen muss jedoch das gesamte Bild angesehen werden: Das Evangelium dieses Sonntags beleuchtet die behutsame Fürsorge des Hirten für seine Herde und will nicht Menschen zu Schafen degradieren. Wie ein guter Hirte die Bedürfnisse seiner Tiere kennt und für sie sorgt, so weiß Gott darum, was Menschen brauchen – nicht nur zum bloßen Überleben, sondern dazu, wozu sie berufen sind: zu einem Leben in Fülle …

WGT20_Plakat_A4

Mit der ganzen Kirche begehen wir an diesem Sonntag den Weltgebetstag für geistliche Berufungen. In Österreich wird dieser vom Canisiuswerk vorbereitet, heuer steht er unter dem – lange vor der aktuellen Corona-Krise gewählten – Motto „Habt keine Angst!“.
Habt keine Angst! – Diese Aufforderung erfährt in der Coronakrise erschreckende Aktualität und eine herausfordernde Dimension. Ist sie angesichts der immensen Last an Unsicherheit, Bedrohung, der prekären Situation, der massiven existenziellen Ängste so vieler Menschen angebracht? Klingt sie für viele nicht beschwichtigend, oberflächlich, verharmlosend?

Habt keine Angst! Fürchtet euch nicht! – Diese starken Trostworte der Bibel ermutigen uns zur vertrauensvollen Hingabe an Gott: Hab Vertrauen! Vertrauen im biblischen Sinn bedeutet „sich festmachen“, „sich einhängen“. Festgemacht an Gott, werden unsere Ängste nicht wie weggeblasen sein. Wir können aber auf die Zusage bauen, dass Gott treu unsere Wege begleitet, wo immer wir unterwegs sind. Er verlässt uns nie!

Entscheidungen, etwa auch die, in einen Orden einzutreten, bewusst nach den „Evangelischen Räten“ zu leben, Diakon oder Priester werden zu wollen, einen Dienst in der Kirche anzugehen, bräuchten eine Portion Furchtlosigkeit. Denn: ein Leben mit Gott – als Christ oder auch in einem sogenannten „geistlichen Beruf“ – sei letztlich ein Wagnis. Ein solches einzugehen, sei aber mit der Verheißung eines Lebens in Fülle verknüpft, so Wilhelm Krautwaschl, Referatsbischof für Berufungspastoral und das Canisiuswerk.

Seine Erwartungen an den Weltgebetstag formuliert Papst Franziskus so: „Ich möchte, dass die Kirche besonders am Weltgebetstag, aber ebenso in der gewöhnlichen pastoralen Tätigkeit der Gemeinden, diesen Weg im Dienst an den Berufungen geht und dafür die Herzen aller Gläubigen gewinnt. Denn so kann jeder dankbar den Ruf entdecken, den der Herr an ihn richtet, als auch den Mut finden, ,Ja‘ zu sagen.“

Ich bin der festen Überzeugung, dass Gott auch heute Menschen beruft. Die Frage ist, hören wir diesen Ruf und antworten wir darauf entsprechend. Zudem bedarf es des Raumes, damit sich die Berufung ganz konkret entfalten kann. Der Rahmen muss also in gewisser Weise passen. Leben wir heute als Christinnen und Christen das Leben, das andere in ihrer je eigenen Berufung stärkt und bestärkt? Ermöglichen wir, dass junge Menschen Gott und ihrer Berufung auf die Spur kommen? Jedes Zeitalter braucht Heilige; vielleicht braucht unser Zeitalter besonders Personen, die vertrauensvoll ihrem Ruf folgen, in unserer Zeit und unter unseren Umständen und im Dunkel tappend liebend dem entgegenzugehen, der zu uns spricht, uns ruft und bejaht.

P. Josef Stelzer OSB

Du Gott bist mein Hirt
nach Psalm 23 (Helene Renner 2020)

Du Gott bist mein Hirt
du schaust auf mich
du lässt mich nicht verloren gehen
auf dich kann ich mich verlassen

Du führst mich an Wasser des Lebens
gibst Kraft und Mut
nährst mich mit Brot und Wein
und dem Geschenk der Liebe

Dein Stock und dein Stab
geben Halt und Zuversicht
an dir kann ich mich festhalten und orientieren
du lässt keinen an mich heran, der mir schaden will
ich weiß, du bist stark und groß
dir kann ich mich anvertrauen

Wenn meine Tage dunkel sind
gehst du voraus, bist Licht auf meinem Weg
du lässt mich nicht stolpern und fallen
du bist Wegzeichen und führst mich heraus
wenn ich mich verlaufe

Ich fürchte deshalb kein Unheil
bei dir bin ich sicher und geborgen
denn du, Gott, bist bei mir