Heute noch …

Gedanken zum Christkönigsfest, Sonntag, 24. November 2019


Für mich ist die Kreuzigungsszene Jesu und der Dialog mit den beiden Verbrechern neben ihm eine der berührendsten Szenen der ganzen Bibel: Jesus wird am Kreuz von vielen Leuten verspottet: „Wenn du König bist, dann rette dich selbst!“ Und nun richtet sich die Kamera der Evangelien auf den Verbrecher auf der einen Seite von Jesus, der ihn ebenso verhöhnt und sagt: „Bist du denn nicht der Christus? Dann rette dich selbst und auch uns!“

Doch stopp! Warum wird dieses Evangelium ausgerechnet heute in unseren Kirchen gelesen? Eine merkwürdige Wahl, die aber deutlich macht, worum es im Christentum geht: Wir stehen am Ende des Kirchenjahres, nächsten Sonntag beginnt der Advent. An dieser Schnittstelle von Ende und neuem Anfang kann uns aufgehen, worin die Herrschaft Gottes besteht. Deshalb heute der „Christkönigssonntag“.

Zurück zur Kreuzigungsszene: Der Verbrecher auf der anderen Seite stimmt in die Verhöhnung nicht ein. Er sieht seine missliche Lage: „Was glaubst du eigentlich, wir sind zurecht am Kreuz, dieser aber hat nichts Unrechtes getan.“ Er weiß, dass nur einer ihn retten kann und ruft deshalb: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ – „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Faszinierend, wie sich Jesus ihm zuwendet. Er sagt nicht zum reuevollen Gekreuzigten: „Über deine Sünden müssen wir noch reden, da hast du noch viel gut zu machen.“ Nein, nur die bedingungslose Annahme – „noch heute“. Erstaunlich, wie sich Gottes Macht durch die menschliche Schwäche zeigt!

P. Bernhard, verfasst für die Morgengedanken von Radio OÖ (ORF 2019)