Was wir vom Surfbrett lernen können

Gedanken zum Sonntag, 17. November 2019.


„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das ewige Leben gewinnen“, sagt Jesus im heutigen Evangelium. Beim Wort „standhaft“ muss ich sofort ans Surfen denken. Im letzten Sommer habe ich Klöster in Australien besucht. Dabei wurde mir die Gelegenheit geboten, das Surfen einmal auszuprobieren.

Ich stellte es mir leichter vor. In der Fernsehwerbung reiten Menschen spielerisch auf den Wellen, die dann ein Duschgel anpreisen. Im wirklichen Leben ist es jedoch schwerer, standhaft zu bleiben.

Mein Surflehrer gab mir einen wichtigen Tipp, wie ich im Wasser auf dem Surfbrett stehen könne: Ich müsse mehr in die Knie gehen und dann dynamisch auf den Wellengang reagieren. Ich merkte, dass ich mich mitbewegen, immer neu auf das Wasser eingehen muss. Und den Wellen zutrauen darf, mich mit dem Surfbrett zu tragen.

Was ich da an der Pazifikküste bei Sydney erlebte, ist ein schönes Bild für das Leben: Der Wind weht, der Untergrund ist instabil. Ich kann allerdings lernen, damit umzugehen. Immer wieder fiel ich sofort ins Wasser. Aber ich hatte keine andere Wahl, ich musste es immer wieder versuchen. Und dann, wenn eine besonders schöne Welle daher kam und ich flexibel genug war, konnte ich für kurze Zeit auf dem Surfbrett dahingleiten – ein erhebendes Gefühl! Das allerdings immer nur kurz währte, während Geübtere elegant an mir vorbei glitten. Vielleicht auch gut so, damit ich nicht glaube, im Leben würde alles leicht gelingen.

Wenn Jesus uns heute auffordert, standhaft zu sein, so hat das nichts mit Starre zu tun. Ich muss ständig in Bewegung bleiben und das, was auf mich zukommt, mit seiner Hilfe meistern.

P. Bernhard, verfasst für die Morgengedanken von Radio OÖ (ORF 2019)