Freunde Gottes

Gedanken zum Hochfest Allerheiligen.

Vor circa einem Jahr hatte ich an unserer Ordenshochschule in Rom zu tun und erlebte zufällig die Heiligsprechung von Erzbischof Oskar Romero und Papst Paul VI.. Papst Franziskus trug den Gürtel, das Zingulum, das Romero bei seiner Ermordung am Altar in El Salvador getragen hatte, sowie das Messgewand von Paul VI.. Das war für mich ein starkes Zeichen, dass die Heiligen in uns fortwirken.

Papst Franziskus sagt auch selbst in seinem Apostolischen Schreiben Gaudete et Exsultate – Über den Ruf zur Heiligkeit heute: „Die Heiligen, die bereits in der Gegenwart Gottes sind, unterhalten mit uns Bande der Liebe und der Gemeinschaft.“ (Nr. 4) Das heißt, die Heiligen sind nicht bloß Vorbilder, die uns zur Nachahmung anregen. Sondern sie haben Teil an unserem Leben, stehen fürbittend vor Gott – und ihr Leben und ihr Denken kann in uns eine Kraft entfalten.

Unser Papst zitiert in diesem Sinne seinen Vorgänger Benedikt XVI.: „Wir sind von den Freunden Gottes umgeben, geleitet und geführt. Ich brauche nicht allein zu tragen, was ich wahrhaft allein nicht tragen könnte. Die Schar der Heiligen schützt und stützt und trägt mich.“ (Gaudete et Exsultate, Nr. 4) Und auch die hl. Edith Stein hilft mir, den heutigen Allerheiligen-Tag zu begehen. Sie macht deutlich: Wir werden erst später erfahren, „welchen Seelen wir die entscheidenden Wendungen in unserem persönlichen Leben verdanken“. (Nr. 8)

Ist das nicht ein schöner Gedanke, wenn wir heute an den Gräbern unserer lieben Verstorbenen stehen?

P. Bernhard, verfasst für die Morgengedanken von Radio OÖ (ORF 2019)