Mutig in die Zukunft

In unserer Pfarre Vorchdorf folgt P. Franz Ackerl (Foto) auf P. Ernst Bamminger. Die Predigt des neuen Pfarrers und die Ansprache von Dechant P. Alois Mühlbachler machen deutlich, worin in der Kirche die wahre Größe besteht: im Mut zum Dienen und im Selbstverständnis als Gotteskind.

Predigt von P. Franz bei der Amtseinführung am 1. Sep. 2019

„Kinder werden als Riesen geboren / doch mit jedem Tag, der dann erwacht / geht ein Stück von ihrer Kraft verloren / tun wir etwas, das sie kleiner macht / Kinder versetzen so lange Berge / bis der Teufelskreis beginnt / bis sie wie wir erwachsne Zwerge / endlich so klein wie wir Großen sind.“ Diese Zeilen von Reinhard Mey – meinem Lieblingssänger, an den ihr euch in meinen Predigten gewöhnen müsst – geben mir zu denken. Nicht nur weil ich 2 m lang bin, sondern weil ich es wesentlich finde, immer wieder mal zu bedenken, was „Größe“ denn eigentlich ist. Die Schriftlesungen des heutigen Sonntags, die wir nicht eigens für die Amtseinführung ausgesucht haben, stoßen in die selbe Richtung. „Je, größer du bist, umso mehr demütige dich und du wirst vor dem Herrn Gnade finden,“ haben wir aus dem Buch Sirach gehört. Und da ist es nun gut, sich den Begriff „Demut“ zu Gemüte zu führen. Denn modern ist er allemal nicht. Demut, das klingt eher so danach, dass da jemand gedemütigt wird. Demut kommt aber von Dienst-Mut und meint eben die Bereitschaft sich für den anderen einzusetzen, sich einem größeren Ziel oder einem höheren Wert unterzuordnen. Noch besser ist es in diesem Fall – in anderen Fällen in unserer Kirche nicht unbedingt – wenn wir uns auf das Lateinische besinnen. Da heißt Demut humilitas. Das hat mit humus-Erde zu tun. Demut ist das Wissen, dass ich mit beiden Beinen auf dem Boden stehen muss und doch auch der Glaube, dass es ein Höheres Wesen – wir nennen Ihn Gott – gibt, nach dem ich mich ausstrecke. Das wünsche ich uns allen immer neu und auch mir für mein Amt als Pfarradministrator, wo ja durchaus die Gefahr besteht, dass ich mich auf ein Priester-Postamentl stellen lasse – so a la Hochwürden.

Wenn ich nun die Leitung der Pfarre Vorchdorf übernehme, dann kann ich aber mit diesem Begriff Hochwürden schon etwas anfangen und wünsche uns als Gemeinschaft von Christinnen und Christen, dass wir alle erkennen, dass wir Hochwürden sind. Wir haben eine unendliche Würde. Diese Achtung vor jedem Menschen möchte ich mir ins Stammbuch schreiben. Hochachtung jedes Einzelnen. So eine Art von Demut, die den Anderen größer macht, steht uns als Christen gut an. Demut ist kein Trick, dazu scheint ja das Evangelium zu verleiten, sondern eine Haltungsfrage. Jesus will uns mit seinem Gleichnis nicht zum fishing for compliments verleiten, also dass wir uns mit dem Ziel, erhöht zu werden, klein machen. Es geht um die Haltung, dass ich trotz 2 m Länge dem anderen auf Augenhöhe begegne. Und das hat nur bedingt mit Äußerlichkeiten zu tun. Wenn wir nun neu einen etwas erhöhten Priestersitz haben, dann kann ich da oben sitzen und trotzdem nicht von oben herab predigen und umgekehrt besteht ja genauso die Gefahr, dass ich zwar scheinbar auf gleicher Ebene bin, mir aber einbilde, höher gestellt zu sein.

Ich wünsche uns als Pfarrgemeinde, dass wir mit beiden Beinen am Boden stehen, uns auf Augenhöhe begegnen und doch den Blick ausgerichtet haben nach Oben. Es ist ja zutiefst menschlich, dass war nach Vorne, nach Oben ausgerichtet sind. Das zeigt die Evangelienstelle, wenn da berichtet wird, dass die Pharisäer sich die besten Plätze aussuchen. Und dieses Streben ist ja durchaus positiv und das wünsche ich uns auch, dass wir uns im Alltag immer neue Ziele stecken und uns privat weiterentwickeln. Vor allem aber auch im Glauben, dass wir wissen, worauf wir hinleben. Weil wir in Wahrheit Riesen sind. Wir haben eine Größe als Kinder Gottes und deshalb braucht es diese Doppelbewegung. Einerseits Demut, bescheiden sein, mich nicht überheben. Und andererseits das Wissen um meine Würde. Wenn wir so unterwegs sind, dann brauchen wir auch keine Angst vor der Zukunft haben. Es geistern ja da alle möglichen Schreckgespenster herum. Strukturreform nennt man das in der Diözese Linz, Zukunftsweg. Wenn wir aber als Christen unseren Glauben leben und wissen, wer der ist, der am Zieleinlauf auf uns wartet und zugleich quasi als Begleitfahrzeug auf den Wegen unseres Lebens dabei ist, dann können wir getrost in die Zukunft gehen. Denn Christus verleiht uns Struktur, er reformiert die Kirche, was ja heißt, dass er sie wieder/re gestaltet/formare …sodass unsere Gemeinschaft wieder mehr den Zauber des Anfangs ausstrahlt. Christus will uns Zukunft geben und Er ist der Weg. Vor so einer Strukturreform am Zukunftsweg hab ich keine Angst. Denn dann wird unsere Kirche wieder groß, weil wir alle um unsere Größe als Kinder Gottes wissen. Das ist mein Traum für Vorchdorf.

„Du bist ein Riese Max! Sollst immer einer sein! Großes Herz und großer Mut und nur zur Tarnung nach außen klein.“ So der Refrain in dem Lied, mit dem ich begonnen habe. Wir sollen Menschen mit großem Herzen und einer Portion Mut sein. Das wünsch ich DIR und mir. Und solche Riesen Gottes zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich klein machen können, aber nicht klein kriegen lassen. Gehen wir den Weg als Glaubende miteinander, dann steht uns Großes bevor. In uns selbst wird sich da was verändern. In unseren Familien, in unserer Pfarre und unserer Kirche. Ich freu mich und bin gespannt, was Gott uns dann noch alles bereiten wird, denn Er lädt uns, so wie wir sind, immer neu zu seinem Fest. Lasst uns heute ein Fest Gottes feiern. Dann können wir in Zukunft Berge versetzen, wie auch Reinhard Mey singt …das können wir solange wir richtig klein sind. Dann macht ER uns groß.

Die Linzer Kirchenzeitung hat mit P. Ernst und P. Franz ein Interview geführt: Hier der Link

Ansprache von P. Alois zur Amtseinführung

Liebe Schwestern und liebe Brüder und liebe Mitbrüder!

Vorerst ist es mir ein großes Anliegen, Dir P. Ernst noch einmal zu danken für Deinen großen Einsatz für Vorchdorf 40 Jahre lang, genauso für Deinen Einsatz als Dechant. Du hast immer nur ganze Arbeit geleistet. Ich wünsche Dir aber auch die Gnade, loslassen zu können, um Dich Deinen neuen Aufgaben wie gewohnt ganz zu widmen.

Lieber P. Franz! Ich gratuliere Dir, dass Du Pfarrer von Vorchdorf wirst.        Abt Albert hat mich (1978) vor der Priesterweihe raten lassen, was mein Kaplansposten sein wird. Ich habe nicht geraten. Er sagte mir bei einer Ampel auf Rot in Kirchdorf: „Nach Pettenbach kommst, und jetzt fahrma glei durch!“ Er fragte: „Hättest Du einen Wunsch gehabt?“ Ich sagte: „Nein, mein Wunschposten, ist voriges Jahr neu besetzt worden!“ Er fragte: „Und der wär‘ gewesen?“ Ich antwortete: „Vorchdorf!“

Mit Vorchdorf habe ich immer viel Gutes verbunden: Eine größere Priestergemeinschaft im Pfarrhof, eine ganze Reihe von Priestern sind aus der Pfarre hervorgegangen und von vielen engagierten Christen hörte ich oft.  Später beim Jugendball habe ich den damaligen Bürgermeister Ernst Tiefenthaller kennengelernt. Während eines längeren Gesprächs habe ich ihm gesagt: „Vorchdorf hat drei Priester und vier Seelsorger!“ Er wollte sich nicht auskennen. Vier Seelsorger: Drei Priester und der Bürgermeister! Es hat sicher noch mehr seelsorglich engagierte Menschen gegeben.

Liebe Christinnen und Christen von Vorchdorf, ihr habt einen Pfarrer gehabt und bekommt heute einen neuen Pfarrer. Ihr habt Pastoralassistentinnen und eine Pfarrsekretärin, engagierte Pfarrgemeinderäte, Frauen, Männer, Jugendliche und Jungschargruppenleiter der Katholischen Aktion und viele Gläubige, denen die Nächsten vor allem die Notleidenden Herzensanliegen sind. Mit großer Freude werdet ihr als wanderndes Gottesvolk in Vorchdorf wie vorher unterwegs sein.

Die heutige Lesung und das Evangelium haben direkt etwas mit der Situation der Installation und mit dem Zugehen auf die Menschen zu tun. Lieber P. Franz, du stellst dich heute unten an; in kurzer Zeit wirst Du auf den Platz ganz oben geleitet. „Freund, rücke höher!“

In der Lesung haben wir gehört: „Je größer du bist, umso mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott“ (Jesus Sirach 3,18).

Lieber P. Franz, du bist ein 2 Meter Mann! Du musst dich oft beugen bei Eingängen und Türen. Das ist auch eine Übung für das Bescheiden bei der Begegnung mit den Menschen.  So wirst du nicht nur bei Gott Gnade finden, sondern dieses Zuneigen werden dir die Mitchristen erwidern! Mutig in die neuen Zeiten! Amen.

Die Linzer Kirchenzeitung hat mit P. Ernst und P. Franz ein Interview geführt, das HIER nachzulesen ist.