Reifeprüfung 2019: Weiße Fahne!

Wir gratulieren unseren Maturantinnen und Maturanten zum erfolgreichen Ergebnis und wünschen alles Gute für die Zukunft!

Valet2Am 24. und 25. Juni wurde die mündliche Reifeprüfung im Apostelzimmer abgehalten. Fünf Maturantinnen und Maturanten schlossen mit ausgezeichnetem Erfolg ab, drei erhielten ein Maturazeugnis mit gutem Erfolg. Alle anderen haben bestanden. Somit konnten wir nach 2011 wieder die weiße Fahne hissen!

Am 25. Juni Nachmittag verabschiedeten wir unsere Absolventinnen und Absolventen mit dem traditionellen Valet. Den Dankgottesdienst in der Akademischen Kapelle zelebrierte Abt Ambros zusammen mit Prior P. Maximilian und P. Bernhard, der auch die Predigt hielt. Die musikalische Gestaltung übernahmen die Maturantinnen und Maturanten, unterstützt von Prof. Alexander Starl. An der Orgel gestaltete Prof. Andrea Schedlberger den Gottesdienst mit.

Nach der Verabschiedung im Prälatenhof und der Rede der Frau Vorsitzenden Dir. Wilbirg Binder überreichte im Kaisersaal Klassenvorständin Prof. Tatjana Hill die Zeugnisse. Danach erfolgte die Eintragung ins Goldene Buch. Den Tschermak-Seysenegg-Preis des Kremsmünsterer-Vereins erhielt Benedikt Bischof. Mit einem Sektempfang im Fischkalter, einer Ehrenrunde durch Kremsmünster und einem Festessen in der Stiftsschenke wurde der offizielle Teil abgeschlossen.

Wolfgang Leberbauer

Predigt von P. Bernhard Eckerstorfer OSB
gehalten am 26. Juni beim Abschlussgottesdienst der Matura 2019

Liebe Maturantinnen und Maturanten, liebe Festgemeinde!

Eure Aufmerksamkeit war in all den Jahren hier im Stift Kremsmünster auf das Lernen gerichtet, es ging vor allem darum, die unzählige Menge an mündlichen und schriftlichen Wiederholungen, Tests, Schularbeiten und gestern bzw. heute die Matura abzuschließen. Und nun halten wir inne, bevor ihr verabschiedet werdet und das Zeugnis erhaltet. „Religion ist Unterbrechung“, hat der deutsche Theologe Johann Baptist Metz (*1928) formuliert.

Die Lesung aus dem Kolosserbrief (Kol 3,12-17) sagt, wer ihr eigentlich seid, in den Augen Gottes: „Erwählte Gottes, Heilige, Geliebte.“ Und diese Perspektive dürfen auch wir uns aneignen, die anderen zu sehen: als einmaliges Geschöpf Gottes! Deshalb ist dann gleich die Rede vom innigen Erbarmen, von Güte, Demut, Milde und Geduld. Hier ein Zitat des persischen Dichters Hafis aus dem 14. Jahrhundert, auf das ich vor zwei Tagen gestoßen bin und bei dem ich sofort an euch denken musste: „Wenn jeder alles von dem anderen wüsste, es würde jeder gern und leicht verzeihen, es gäbe keinen Stolz mehr, keinen Hochmut.“ Diese Worte helfen, glaube ich, das zu verwirklichen, was der Kolosserbrief gleich im nächsten Satz fordert: „Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat! Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ Gott kennt uns besser als jeder andere, er ist uns sogar näher als wir uns selbst nahe sind (Augustinus) – deshalb kennt er keinen Stolz und Hochmut, ihm fällt es leicht, gern zu verzeihen, weil er alles von uns weiß: wer wir sind, warum wir so sind wie wir sind, woran wir leiden, was wir mitschleppen und was eigentlich in uns stecken würde. Mit diesem Blick Gottes bitte ich euch bei diesem Gottesdienst all das zu vergeben und abzuschütteln, was ihr euch aus den letzten 8 Jahren vorwerfen könntet; was ihr euren Eltern, Geschwistern, Lehrern ankreiden könntet. So heißt es dann auch weiter: „Bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist! Und der Friede Christi triumphiere in eurem Herzen!“

Wie soll das gehen? Die Lesung aus dem Kolosserbrief gibt uns die Antwort, indem drei Mal hintereinander das Wort „dankbar“ kommt. „Seid dankbar!“ ist jetzt kein Befehl, der uns von oben aufgedrückt wird, sondern ich glaube unser Bedürfnis, die hier angemessene Haltung einzunehmen:

  • Dankbar für unser Leben. Ja, Gott immer wieder danken für das eigene Leben und das der anderen. Vielleicht denkt in diesen Tagen manche Mutter oder mancher Vater an die Geburt ihres Kindes, das jetzt als reif erklärt wird für die nächste Lebensphase. Welch ein Weg vom Schreien des Babys bis zu den eloquenten Ausführungen bei VWA-Präsentation, den schriftlichen und mündlichen Prüfungen der Matura! Da steht es uns gut an, innezuhalten, durchzuatmen und ein großes Danke gen Himmel zu senden.
  • Ich weiß von nicht nur einem Gespräch, dass in euch, liebe junge Freunde, die Dankbarkeit gereift ist für das, was Eltern, Geschwister, Großeltern in diesen Jahren für euch getan haben, wer sie für euch geworden sind. Fast die Hälfte eures Lebens seid ihr im Stift Kremsmünster zur Schule gegangen. Hier ist nun der Raum, besonders dafür Dank zu sagen, für alle Menschen, die euch hier begleitet und geführt haben. Ich habe vorhin gesagt, dass es in diesen Schuljahren vor allem ums Lernen ging. Das heißt, wir denken bei Schule sofort an Stoffinhalte, und das war auch das Bangen in den letzten Tagen. Doch würden wir jetzt eine Runde unter euch machen, woran ihr euch bei der Schulzeit erinnert, was besonders hängen geblieben ist, dann kämen mehr Erfahrungen als Inhalte: es bleibt mehr was wir erlebt als was wir gebüffelt haben. Und so richtet sich der Dank an die Lehrer nicht nur darauf, was sie euch beigebracht haben, sondern auch wer sie für euch waren und sind.
  • Umgekehrt wollen wir euch danken: Ihr seid eine große Freude für eure Familien und für uns Lehrer. Ich hab euch in der 2. Klasse bekommen und kann sagen, dass die vielen Kontakte mit euch über die Jahre mich reich beschenkt haben. Natürlich auch herausgefordert. Letzten Samstag schrieb ich einer Maturantin, ob eh die Fürbitten bei dieser Messe in Ordnung gehen. Ihr habt sie im WPG schon vor über zwei Monaten wirklich schön formuliert und dann einfach abfotografiert. Da wurde mir schon mulmig zumute, denn in den Tiefen des Handyspeichers kann auch manches verloren gehen. Die Maturantin schrieb mir kurz vor Mitternacht zurück: „Ja, das ist gerade am Umsetzen. Es wird schon schief gehen.“ Die Älteren hier verstehen wohl, dass mich das nicht wirklich beruhigte, aber ich musste lachen und erinnerte mich an so manchen Satz von euch: „P. Bernhard, kein Stress, das machen wir schon!“ Eure jugendliche Frische und Direktheit hat mir viel gegeben. Ich schätze sehr an unserer Schule, dass der Umgang zwischen Schülern und Professoren recht freundschaftlich und direkt sein kann, aber das in einer Atmosphäre des Respekts geschieht. Wofür wir von der Schule her auch wieder den Eltern danken möchten, denn was die jungen Menschen in die Schule mitbringen, haben sie vor allem bei Ihnen gelernt.

Bezeichnenderweise feiern wir hier „Eucharistie“: eu – gut, charis – Freude, Gnade, Dankbarkeit. Eine Dankfeier, die wir bei Gott beginnen und die sich mit ihm und seinem Segen in den Nachmittag und Abend erstreckt. (Wer diesen Sommer nach Griechenland fährt, kann diese hier jetzt erworbene Kompetenz übrigens gleich umsetzen: Im Neugriechischen heißt danke geschrieben eucharistó, gesprochen efcharistó. Aber wenn ich jetzt so überlege, ist das gar nicht so relevant hier, denn eine läppische griechische Insel als Ziel einer Maturareise scheint heute zu wenig zu sein. Während wir Oldies im vorigen Jahrtausend bloß an einen oberitalienischen See gefahren sind, beginnt für heurige Maturanten dort erst die Reise und es müssen gleich mehrere Länder erobert werden!)

Ich habe soeben vom Segen gesprochen, mit dem diese Eucharistiefeier endet, euch entlässt in die Maturafeier und das weitere Leben. Das hat natürlich auch etwas Nachdenkliches, fast schon Trauriges an sich. Ihr geht in eine neue Lebensphase, in die wir Lehrer und Patres euch loslassen, auch die Eltern ein Stück weit loslassen müssen. Aber wir wissen, ihr geht nicht allein: Gott geht mit euch, er beschützt euch, er ruft euch in seine dreifaltige Liebesgemeinschaft, in der wir auf ewig verbunden bleiben. Das Schlusslied, das ihr ausgewählt habt, bringt eure Zusage an Gott auf den Punkt: „Mit dir geh ich alle meine Wege, mit dir bin ich alles, was ich bin. Mit dir wag ich jeden neuen Schritt, manchmal fragend und nur im Vertrauen: Du bist da, gehst alle Wege mit.“

Der heilige Benedikt, der hier in der Akademischen Kapelle dargestellt ist, weist euch den Weg dazu. Er war nicht viel älter als ihr, als er aufgebrochen ist aus Rom und sich ganz Gott anheimgestellt hat. Den Ring hält er dem Himmel entgegen als Zeichen des Vertrauens und der Hingabe. Er bricht auf in eine neue Welt, wird zum Benedictus – zum Gesegneten! – für andere in Subiaco und Montacassino. Dort schreibt er dann auf Grund seiner Erfahrungen die Regel für Mönche, die bewusst mit dem Wort pervenies abschließt: „ … du wirst ankommen!“

So seid gesegnet, liebe Maturantinnen und Maturanten des Jahres 2019.
Werdet zum Segen für andere.

Habt keine Angst und vertraut der Zusage Gottes: „Du wirst dein Leben meistern und durch alle Höhen und Tiefen letztlich an deinem Ziel ankommen!“ Amen.

2019 Matura-Predigt