„Stunde Null“

Gedanken zum Osterfest

„Stunde Null“ – so heißt ein Lied der Gruppe Bluatschink, das mir gerade zu Ostern immer wieder einfällt. Diese Gruppe singt ja im Lechtaler Dialekt, ins Deutsche übersetzt heißt es da: Ein junger Mann steht am Bahnhof, er hat den Koffer in der Hand. Sein Zug, der geht nach irgendwo, Hauptsache in ein fernes Land – Stunde Null! Eine Mutter mit einem kleinen Kind, der Scheidungskrieg war schlimm. Sie hat auf alles verzichtet, Hauptsache, sie ist jetzt weg von ihm – Stunde Null!“
Es berührt mich immer wieder, wie Menschen sich förmlich „aufrappeln“, ihr Leben wieder neu in die Hand nehmen. Wie sie trotz Not, Tod und Scheitern einen Neuanfang wagen. Viele solcher Menschen haben mir gesagt „wenn ich nicht glauben könnte, dass es einen Gott gibt, der gerade im Leid da ist, dann wäre alles sinnlos.“ Ja, auch Gott scheitert in gewisser Weise. Der Weg seines fleischgewordenen Wortes, unseres Herrn Jesus Christus, führt ans Kreuz. Aber der Tod und die Auferstehung Christi sind gewissermaßen auch so eine „Stunde Null“. Wo im Scheitern etwas ganz Unerwartetes und Neues beginnt. Weiter heißt es im Lied: „Da sind noch Tränen in den Augen, man muss sich daran gewöhnen, man muss es wagen; ja, und man muss daran glauben.“ Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie Aufbrüche wagen und Auferstehungserfahrungen machen. Kleine und große mitten im Leben. Möge die Feier von Ostern in uns die Hoffnung und die Liebe stärken und uns mutig und treu machen, gerade in den Phasen unseres Lebens, wo wir am Boden liegen.

Im Namen unseres Abtes Ambros und aller Mitbrüder wünsche ich Ihnen ein recht frohes und gesegnetes Osterfest!
P. Franz

Osterlamm Kasel