40 Tage mit Benedikt

Ein Impuls von Frater Anselm.

Das Programm für die Fastenzeit formuliert der hl. Benedikt so: „Gehen wir also in diesen Tagen über die gewohnte Pflicht unseres Dienstes ein wenig hinaus […] durch besonderes Gebet und durch Verzicht beim Essen und Trinken“ und achten wir „in großer Lauterkeit auf unser Leben“ (aus RB 49).
Benedikt ermutigt uns, gut auf unser Leben zu schauen, bereit zu sein, an uns zu arbeiten, hinzuhören auf die anderen und auf Gott. Manchmal reicht es da, nur „ein wenig“ mehr zu tun; man muss in diesen Wochen nicht gleich sein ganzes Leben verändern, sondern vielleicht nur ein paar Minuten am Tag Stille halten – das kann viel bewegen.

Wir haben dazu 40 Tage Zeit – eine biblische Zahl, die auf die 40 Tage Jesu und die 40 Jahre des Volkes Israel in der Wüste verweist.
Von der Wüstenzeit Jesu wissen wir wenig. Es wird berichtet, dass ihn der Heilige Geist erfüllt und durch die Wüste geführt hat. Durch ihn gestärkt widersteht Jesus nach den 40 Tagen den Versuchungen des Teufels, der ihn mit den menschlichen Sehnsüchten nach Brot, nach Macht, nach Aufmerksamkeit und nach Sicherheit in den Beziehungen lockt. Begeistert und versucht Sein liegen oft nah beieinander – gerade in der Fastenzeit.
Israel bricht mit dem Auszug aus Ägypten in Richtung des gelobten Landes auf. Dieser Weg dauert viel länger als gedacht und ist weit und voller Umwege. Es ist eine Zeit des Lernens – so erhält Israel am Sinai das Gesetz –, der Gotteserfahrung, aber auch von Angst und Verzweiflung. Im Rückblick bedeuten diese 40 Jahre in der Wüste Befreiung und Reifung trotz vieler Herausforderungen in der Gewissheit, dass Gottes Zusage gilt.
Gottes Weisung erfährt Israel, erfahren wir, als ein An-Gebot: „Wähle also das Leben, damit du lebst […] Liebe den Herrn, deinen Gott, höre auf seine Stimme […], denn er ist dein Leben“ (Dtn 30, 19f.).

Diese Wahl zu erneuern, ist Anliegen der Fastenzeit, uns wieder neu anzufragen: Wo stehen wir auf dem Weg? Wie gehe ich mit dem Leben um? Bin ich bereit, mich der Anfrage Gottes zu stellen? Wir sind eingeladen, uns wie Israel auf den Weg zu machen, unterwegs zu bleiben und so die Wegweisung Gottes für unser Leben zu finden – mit allen Höhen und Tiefen, die zu einem solchen Weg gehören, erfüllt vom Heiligen Geist und gleichzeitig den Versuchungen ausgesetzt wie Jesus, Schritt für Schritt, um dann ans Ziel des neuen österlichen Lebens zu gelangen.
Und dieser Weg beginnt mit einem kleinen Schritt – ein wenig über den Dienst hinaus …

Aus der Fastenpredigt von Frater Anselm Demattio OSB, gehalten in Eberstalzell am 24. März 2019.