Täglicher Fastensegen in der Marienkapelle

Komplet, geistliche Lesung und Miserere-Psalm ab Samstag 9. März bis Dienstag in der Karwoche, täglich um 20.00 Uhr (außer Sonntag) in der Marienkapelle. Die Glocken läuten davor jeweils 15 Minuten lang, um uns an den Bußcharakter der Fastenzeit zu erinnern.

Unser Kloster begeht die Fastenzeit liturgisch in besonderer Weise: Die Komplet wird öffentlich zugänglich um 20.00 Uhr in der Marienkapelle gesungen. Danach folgt eine Lesung aus dem Buch „Gott suchen“ von Kardinal Basil Hume OSB. Anschließend singen die Mönche den Psalm 50 vor dem ausgesetzten Allerheiligsten. Zum Abschluss bietet diese besondere Gebetszeit den eucharistischen Segen.

Gedanken zur Komplet von Abtpräses Jeremias Schöder OSB

„In deine Hände lege ich mein Leben“
Die Komplet ist eine Erfindung des heiligen Benedikt. Aber in die herbe Struktur, die er in der heiligen Regel dieser Hore gibt, haben sich später andere Elemente hineinbewegt, die aus der Komplet eine Gebetszeit machen, die vielleicht mehr als die anderen auch die Emotionen anspricht. Da ist zum einen die marianische Antiphon ganz am Schluss, aber da ist auch das Responsorium „In Deine Hände lege ich mein Leben“.
Diese Elemente lassen Motive anklingen, die aus der Komplet viel mehr machen als nur eine letzte kleine Hore zum Tagesabschluss. Sie zelebrieren den Abschied, die Ungewissheit der Zukunft, das Gottvertrauen und die eschatologische Hoffnung, dass wir irgendwann mit Christus auferstehen werden.
Die Komplet ist eine Übung des Zurücklassens und des Gottvertrauens. Sich in die Nacht hineinzugeben, heißt, die totale Kontrolle aufzugeben, die wir so gerne über unser Leben haben. Wir wollen ja selbstbestimmt sein. Schlafen heißt, nicht mehr zu bestimmen. Davor kann man durchaus Angst haben. Aber die Gebete der Komplet verwandeln das. Sie machen aus der Aufgabe eine Übergabe – „in manus tuas commendo spiritum meum“ – ich übergebe mich in die Hände Gottes. Das beschreibt sehr schön, was wir heute gerne Loslassen nennen.
Zur Komplet gehört der Bußritus, auf Dinge zu schauen, die nicht gelungen sind, die den Frieden stören, auf Spannungen und Irritationen, auf Menschen, mit denen man nicht im Reinen ist: „Versuche doch, das loszulassen, Vergebung zu gewähren, damit sie auch Dir zuteilwerden kann.“ Nach dem Bekenntnis der Vergebung gibt auch ein Bekenntnis der Hoffnung: Wo liegt meine Hoffnung? Kann ich die Ritzen und Bruchstellen erkennen, durch die Licht in mein Leben hineinblitzt? Gott hat ja noch etwas mit mir vor, so lange er mich auf dieser Erde schnaufen lässt. – Und auch noch danach, glauben wir.
Wenn man das alles zusammensieht, dann ist die Komplet fast so etwas wie eine kleine Sterbefeier. Benedikt rät uns dringend, den eigenen Tod täglich vor Augen zu haben.
Jede Nacht ist ein Sich-Hinbegeben ins Ungewisse und Unkontrollierbare. Aber jede Nacht trägt in sich auch eine Erinnerung an die Osternacht.

aus der Besinnung des Vorsitzenden der Benediktinerkongregation von St. Ottilien beim Generalkapitel der Österreichischen Benediktinerkongregation 2018, abgedruckt in: Füreinander. Mitteilungsblatt der Österreichischen Benediktinerkongregation, Nr. 60 (2018/1), S. 71