„Bleiben“ – Schlüsselwort der Osterzeit

Gedanken zum fünften Sonntag der Osterzeit.


Sieben Wochen mit jeweils sieben Tagen dauert die Osterzeit – von der Osternacht bis Pfingsten. Das Schlüsselwort für diese Zeit könnte „dranbleiben“ heißen. Neun Mal wird in den acht Versen des heutigen Sonntagsevangeliums aus Johannes 15 das Wort „bleiben“ verwendet.

An einer Sache dran zu bleiben ist eine große Herausforderung.

Jesus lädt die Jünger ein, in ihm zu bleiben. Es ist also ihre Entscheidung, unsere Wahl. Wenn wir bei ihm bleiben wollen, dann bleibt er bei uns. Jesus verwendet dieses Bild: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Die Trauben erhalten ihre Kraft aus der Verbundenheit mit dem Weinstock.

Für die Jünger war es schwer, dranzubleiben. Am Kreuzweg sind sie davon gelaufen, Petrus hat Jesus sogar verleugnet. Für die Kirche nach Ostern sagt das Evangelium: „Bleibt dran, auch wenn ihr ihn nicht seht.“

Warum eigentlich in Jesus bleiben? Weil er uns eine unvergleichliche Lebenskraft gibt. Wir sehen das am erfüllten Leben der Heiligen – und an ihrer Gelassenheit: John Fisher, Bischof und Vertrauter des Königs von England, war nicht bereit, sich vom Papst loszusagen und die Verbundenheit mit der weltweiten Kirche zu brechen. Deshalb wurde er zum Tod verurteilt. Am Tag seiner Hinrichtung kam der Henker frühmorgens in seine Zelle: „Ihre Hinrichtung wurde um einige Stunden verschoben!“ Der Heilige antwortete: „Dann kann ich ja noch weiter schlafen.“ Er wusste, an wem sein Leben hing – über den Tod hinaus.

P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2018