Füreinander Hirte sein

Gedanken zum vierten Sonntag der Osterzeit.


„Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.“ Den Psalm 23 lieben viele. Gottes Güte und Einsatz für uns kommt in diesem Jahrtausende alten Gebet zum Ausdruck.

Im Evangelium heißt es heute: „Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich … und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.“ (Joh 10,14-15)

Jesus, der gute Hirt! Von daher erhält er seine natürliche Autorität; auctoritas kommt von augére – Leben fördern, steigern. Christi Autorität verdankt sich der Hingabe.

Jesus Christus behält nicht eifersüchtig die Autorität für sich. Er will sie weiter geben, traut uns viel zu. „Er gab uns die Macht, Kinder Gottes zu sein!“

Wenn Jesus im Evangelium sagt: „Ich bin das Licht der Welt“ und an einer anderen Stelle: „Ihr seid das Licht der Welt“, dann können wir auch das Bild des guten Hirten auf uns beziehen: „Ich bin der gute Hirt“ – „Ihr seid die guten Hirten“.

Zunächst geht das Hirtenamt über auf die Apostel, deren Nachfolger die Bischöfe sind. Der auferstandene Herr sagt zu Petrus: „Weide meine Schafe.“ (Joh 21,15-19) Im ersten Petrusbrief werden die Leiter in der Kirche ermahnt: „Sorgt euch wie Hirten für die euch anvertraute Herde.“ (1 Petr 5,2)

In der Nachfolge des Herrn sind schließlich alle beauftragt und befähigt, füreinander Hirten zu sein: Die Mutter für ihre Kinder, der Lehrer für die Schüler, die Eheleute füreinander. Letztlich bleibt aber Gott unser Hirte, der uns nie enttäuschen wird: „Ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir.“ (Ps  23)

P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2018