Glaube aus dem Zweifel

Gedanken zum dritten Sonntag der Osterzeit.

„Friede sei mit euch.“ Der auferstandene Jesus geht auf seine Jünger ein, die nicht recht glauben können, dass er nach der Kreuzigung wirklich lebt. Gott hat mit uns Geduld. Ob auch wir mit ihm geduldig sind, wenn wir die Auferstehung nicht sogleich verstehen?

In dieser nachösterlichen Zeit helfen mir die Bücher von Tomáš Halík, der heuer 70 Jahre alt wird. Der Prager Religionsphilosoph wurde 1978 in Polen heimlich zum Priester geweiht und gehörte bis zum Ende des kommunistischen Regimes in Tschechien der Untergrundkirche an. Er notierte einmal: „Nicht einmal meine Mutter, mit der ich im gemeinsamen Haushalt lebte, durfte es wissen; ausgeübt habe ich meinen Priesterdienst illegal.“

Im Buch Geduld mit Gott macht Tomáš Halík klar, dass nur die Suchenden, Zweifelnden und Fragenden den christlichen Glauben begreifen können. Er bezieht sich auf die hl. Thérèse von Lisieux: Gott wartet nicht oben auf uns, sondern „in der Tiefe des fruchtbaren Tales der Demut“. (55) Und dann schreibt er: „Der christliche Glaube muss am Kreuz sterben, begraben werden und auferstehen – in neuer Gestalt.“ (67)

Tomáš Halík wendet sich gegen den selbstverständlichen Glauben: Wir können nicht einmal unser eigenes Gesicht direkt sehen, sondern immer nur verkehrt im Spiegel. Wie meinen wir dann, Gottes Antlitz so ohne weiteres schauen zu können? (vgl. 156) Der Glaube wird so von einem altbekannten Eh-Schon-Wissen zu einer überraschenden Entdeckung: „Glauben heißt, … sich bewusst zu werden, dass gerade jetzt der Stein vom versiegelten Grab weggewälzt wird, dass jetzt … die Strahlen des Ostermorgens das kalte Grabdunkel besiegen.“ (178)

Zitate aus: Tomáš Halík, Geduld mit Gott. Die Geschichte von Zachäus heute, Freiburg i.Br.: Herder, 52012.

P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2018