Die Orgeln in Kremsmünster

Ein besonderes Hörerlebnis für Orgelfreunde bot das Konzert von Magdalena Hasibeder am Nachmittag des Weißen Sonntags in der Stiftskirche mit Stücken, die auf der neuen CD Orgellandschaft Oberösterreich XXI zu hören sind.

Die jüngst erschienene CD dokumentiert drei Orgeln in Kremsmünster: Die historische Orgel in Kirchberg, die Orgel in der Marienkapelle und die der Stiftskirche. Beim Konzert waren die eingespielten Stücke an den Orgeln der Marienkapelle sowie der Stiftskirche zu hören.

Die junge Organistin Magdalena Hasibeder ließ sich in der Programmgestaltung treffsicher vom Charakter der grundverschiedenen Instrumente inspirieren:

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In der Marienkapelle der Stiftskirche steht seit 1972 eine kleine Orgel aus der Werkstätte Pirchner. Trotz geringer Registeranzahl wird durch geschickte Registrierung ein erstaunlicher Farbenreichtum erzeugt. Neben Mozart und Bach erklingen drei Stücke mit unmittelbarem Kremsmünster-Bezug: Ein anonymes Praeludium aus einer Kremsmünsterer Sammlung um 1730, eine Fuge des Musikdirektors und Haydn-Zeitgenossen Georg Pasterwitz und – als interessanter Beitrag aus dem 20. Jahrhundert – die Passacaglia „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ aus der Feder des ehemaligen Kremsmünsterer Gymnasiasten Johann Nepomuk David.

Haijes_Magdalena_Hasibeder_20180408_089Die große Orgel der Stiftskirche mit ihren 45 Registern (Kögler 2005) orientiert sich in ihrer Registerzusammenstellung am barocken Klangideal und wird deshalb in erster Linie für Musik Johann Sebastian Bachs verwendet. Als erster Beitrag erklingt hier allerdings nicht Bach, sondern ein Stück mit unmittelbarem Bach-Bezug: Das „Ostinato“ des Felix Mendelssohn-Bartholdy, zweifelsohne inspiriert durch Bachs monumentale „Passacaglia und Fuge c-moll“, die auch das Schlussstück der CD ist. Dazwischen Choralgebundenes: Eine ausladende Choralphantasie des nordeutschen Meisters Franz Tunder und zwei Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach.

Das kleine romantische Werk in Kirchberg (vom Salzburger Orgelbauer Ludwig Mooser um 1855 erbaut) bezaubert vor allem durch seine charmanten Grundstimmen. Wiener Orgelmusik des 19. Jahrhunderts von Rudolf Bibl und Johannes Brahms lassen sich hier überzeugend darbieten.

Drei höchst unterschiedliche Instrumente voller interessanter Gegensätze, perfekte Aufnahmequalität durch das Studio Weinberg, interessante Booklet-Beiträge über die verschiedenen Komponisten und Kompositionen – aber vor allem: Brillantes, packendes und dennoch sensibles Spiel der Organistin lassen diese CD zu einem unvergesslichen Hörerlebnis werden.

Die CD Orgellandschaft Oberösterreich XXI – Orgeln in Kremsmünster ist im Klosterladen zum Preis von EUR 16,80 erhältlich.

Fotos © Jack Haijes

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