Requiem am Stiftertag

Am 11. Dezember feiern wir den Gründungstag unseres Klosters und gedenken des „Stifters“ Herzog Tassilo und aller verstorbenen Wohltäter. Um 10 Uhr ist das Pontifikalrequiem in der Stiftskirche.

In mystisch-festlichem Rahmen begehen wir bereits am Sonntag, den 10. Dezember 2017, um 16.30 Uhr die „Gunthervesper“, benannt nach P. Gunther Kronecker (1803-1847), der eigens für den Stiftertag eine Vesper komponiert hat.

Beim Pontifikalrequiem am Montag, den 11 Dezember, um 10.00 Uhr bringen Chor und Orchester der Stiftskirche unter der Leitung von P. Altman Pötsch das Requiem in c-Moll von Michael Haydn zu Aufführung.

Sonntag, 10. Dezember, 16.30 Uhr – Gunthervesper
Montag, 11. Dezember 10.00 Uhr – Pontifikalrequiem

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Hier finden Sie eine ausführliche Information zum Stiftertag: P. Benedikt Pitschmann, „Der Stiftertag in Kremsmünster, in: OÖ Landeskulturdirektion (Hg.), OÖ Heimatblätter, 53. Jahrgang, Heft 1/2., Linz 1999, S. 46-63.

Und noch ein weiterer Einblick in die Geschichte: „Der Karnisseltag in Kremsmünster“
IMG_1039Im Jahre 777 gründete Herzog Tassilo III. von Bayern das Kloster Kremsmünster. Die Veranlassung zur Gründung Kremsmünsters soll das Unglück gewesen sein, das dem Sohne des Herzogs, Gunther, auf der Jagd zugestoßen. Ein wilder, verwundeter Eber schlug dem jungen Gunther die Wunde, die ihm den Tod brachte.
Am 11. Dezember wird der Todestag des Herzogs Tassilo festlich begangen. Ein alter Brauch steht mit diesem „Stiftertag“ in engster Verbindung. Am 10. Dezember fand alljährlich die „Fleisch- und Brotspende“ statt. Dabei erhielt jeder aus der Hand eines Priesters ein Pfund Brot und ein halbes Pfund Fleisch, das am 9. Dezember vom Küchenmeister im „Fleischbehälter“ geweiht worden war.
Von dieser Fleisch und Brotausteilung bekam der Stiftertag den Namen „Spendtag“ oder „Karnisseltag“, d.i. Fleischausteilungstag. Die Spende geschah im äußeren Stiftshof, wo zu diesem Zweck sechs Hütten aufgeschlagen waren.Etwas vor zwölf Uhr Mittags verfügten sich die zur Austeilung bestimmten Mönche dorthin. Ein Paar lederne Handschuhe und eine leinerne Schürze schützten Hände und Habit, worüber sie bloß eine Stola trugen, vor der Verschmutzung; ein Diener reichte ihnen das Brot, worauf das Bild des Wildschweins gedrückt war, sowie auch das Fleisch. Die Austeilung dauerte ununterbrochen von 12 bis 4 oder 5 Uhr des Nachmittags fort.
Im Jahr 1571 wurden zwei Ochsen zur Spende geschlachtet. 1607 kamen 14 „Gebirgsöchsel“ und zwei Waldochsen zur Spende. Im Jahre 1676 wurden 18.000 Menschen beteilt; im Jahre 1701 war der Zudrang ganz außerordentlich; es wurden 24.159 Portionen verabreicht; hierzu wurden 82 Ochsen benötigt. 1704 erhielten 16.444 Personen die Brot- und Fleischspende, 78 Ochsen wurden geschlachtet. Im Jahre 1710 bekamen 22.546 Personen das „Gspendt“. 1721 wurden 15.300 Portionen verteilt. Im Jahre 1765 wurde die Gabe an 23.881 Personen doppelt verabreicht, außerdem speisten 230 Gäste an der Stiftstafel. Im Jahre 1771 hat man gegen 100 Ochsen geschlachtet und 30.000 Menschen beteilt.
Wie groß die Masse der Beschenkten war, zeigt ein Verbot, das den Studenten gegeben wurde. Sie sollten am Stiftertag nicht mit Schnee werfen oder gar, wie andere Jungen es machten, auf den Köpfen der Leute herumgehen.
Spenden an den Jahrestagen der Gründer waren in fast allen Klöstern üblich, in keinem dürfte aber der Besucherstrom größer gewesen sein. Da sich keiner aus der Umgebung das „Gspendt“ entgehen lassen wollte, konnten Diebe in der Zwischenzeit in aller Ruhe ihrem „Handwerk“ nachgehen. Die Freude über die Geschenke verging so manchen, wenn er sein ausgeraubtes Haus betrat.
Das Karnissel wurde im Jahr 1772 unter dem Abt Erenbert Meyer zum letzten Mal abgegeben. Im folgenden Jahr wurde das „Gspendt“ am Stiftertag durch einen kaiserlichen Befehl abgeschafft. Das Stift musste dafür jährlich 4000 Gulden zum Strafhaus nach Linz zahlen, ein Last, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten blieb.
Aus: P. Tassilo Lehner, Ein Blatt zur Kulturgeschichte der Heimat. Linz 1910, 23 ff. (gekürzt).