OÖ Ordenstag im Stift Kremsmünster

Über 200 Ordensfrauen und Ordensmänner trafen sich am 14. Oktober im Theatersaal des Stiftes. Die behandelten Themen und Impulse sind hier nachzulesen. Ein Bericht der Ordensgemeinschaften.

 

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vl: Bischof Manfred Scheuer, Sr. Michaela Pfeifer, Superintendent Gerold Lehner und Abt Reinhold Dessl. Foto: Ordensgemeinschaften, Kaineder

Abt Reinhold Dessl als Vorsitzender der OÖ-Männerordenskonferenz und Sr. Michaela Pfeifer für die Regionalkonferenz der Frauenorden stellten als Ziel des Ordenstages „Austausch, Begegnung und Stärkung“ in den Mittelpunkt. Superintendent Gerold Lehner und Bischof Manfred Schauer gaben Impulse entlang des Themas „Reformation und evangelischen Räte“. Gemeinsames Gebet und der Besuch der zu Ende gehenden Gartenschau waren wesentliche Bestandteile des Treffens.

„Es geht heute nicht um Konkurrenz, sondern um gegenseitige Befruchtung“, stellte der Chefredakteur der Linzer Kirchenzeitung Matthäus Fellinger als Moderator voran. Superintendent Lehner gleich am Anfang: „Die vielen Einladungen aus dem katholischen Bereich im heurigen Gedenkjahr 500 Jahre Reformation drängen mich, die Dinge grenzüberschreitend anzuschauen. Jede Begegnung ist für mich ein Lernfeld darin, was das Unsere ist und was das Andere für mich bedeutet. Am Anderen entzündet sich oft die Erkenntnis.“ Lehner ortet in einer Zeitdiagnose eine „Austreibung des Anderen. Das andere verschwindet und Depression und Repression tauchen aus dem Inneren auf. Die Wucherung des immer Gleichen gibt sich dann als Wachstum aus und es kommt zum Infarkt des Zuviel an immer Gleichem, dem der dialektische Gegenpol fehlt.“ Lehner sieht die Wichtigkeit des Mönchtums und des Ordenslebens im „Anders-Sein und – weil es fremd ist“. Und genau darin kommt es auf die Begegnung an.

Reformation aus den Orden heraus

„Es ist gut, dass es die Erfahrung der Fremdheit und des Anderen gibt, die ihr repräsentiert, wach haltet durch euer Leben.“ Das ruft der evangelische Superintendent für Oberösterreich den über 200 Ordensfrauen und Männern im Theatersaal des Stiftes Kremsmünster ermutigend zu: „Christliche Existenz ist die Begegnung mit dem Unbedingten. Gott will umschaffen, transformieren. Und von diesem Transformationsprozess kann sich keine Christin, kein Christ dispensieren.“ Das Ordensleben hebt sich nicht heraus aus der Zumutung an alle: „Es gibt einen allgemeinen und einen individuellen Ruf. Der Mensch ist gerufen zu hören und Gott wird ihm dabei helfen. Jesus stellt den letzten Anspruch an uns. Es gibt diesen Ruf, der aus der bürgerlichen Existenz herausführt und zum Beispiel in den Verzicht führt. Dieser Ruf führt dann in die größere Freiheit.“ Lehner verweist auch darauf, „dass Reformation aus den Orden entstanden ist“.

Harmlos oder Fremdkörper

Lehner konstatiert heute eine erhöhte Aufmerksamkeit dem Ordensleben gegenüber: „Mönchische Existenz zieht heute Aufmerksamkeit auf sich, weil sie kurios scheint. Aber das nur, solange sie harmlos bleibt. Schwerer tut sich der Zeitgenosse schon damit, dass er hier einer Querwelt, ja einem Fremdkörper begegnet. Orden werden also bestaunt und gleichzeitig als provokant erlebt, weil dort gilt: Allein Gott genügt oder: Es gibt nichts Wichtigeres als Gott.“ Lehner sieht auch, dass Nachfolge „kanalisiert“ wird und so die Reformkraft schwindet. Lehner: „Orden sind immer utopisch ausgerichtet und dauernd in die Reformation gerufen, immer neu.“ Die Orden zeichnet in den Augen heutiger Zeitgenossen aus, „dass sie ihr Leben radikal von Gott her entwerfen. Die Verrückheit des Ordenslebens kann heilende Wirkung auf die Gesellschaft hin entfalten, wenn dieses Leben ganz in der Nachfolge Jesu steht. So ist das Kloster Experimentierfeld für das ganz andere, neue Leben.“ Lehner verweist noch darauf, dass Orden im wirtschaftlichen Bereich eine große Strahlkraft entfalten können, „wenn sie sich entlang der neuen Ökonomie des Gemeinwohls und der Commons  entwickeln und regionale Impulse setzen“.

Fluch des Gesetzes und der Werkerei

„Gelübde können auch die Verweigerung des Glaubens und der Liebe sein“, stellte Bischof Manfred Scheuer in seinem Statement selbstkritisch fest, um dann mit Luther auf den „Fluch des Gesetzes und der Werkerei“ hinzuweisen. Scheuer sieht durch die Geschichte hindurch die „prägende Kraft der Orden und von Ordensleuten so wie beim Zweiten Vatikanischen Konzil“, um ein Beispiel zu nennen. Nachfolge ist der unbedingte Anspruch an alle Christinnen und Christen. Somit ist Nachfolge auch immer „Stachel im Fleisch, Provokation und Korrektur. Darin geht das Anders-Sein des Evangeliums auf. Jede und jeder ist zur Heiligkeit berufen.“ Scheuer vermerkt mit einem relativierenden Unterton: „Die evangelischen Räte machen von sich aus nicht besser, frömmer oder liebevoller. Aber sie sind ein Zeichen, eine Erinnerung, das Reich Gottes zu suchen und dem Evangelium eine Stimme, ein Gesicht zu geben, damit es nicht in Vergessenheit gerät.“

Orden sind Kirche im Brennpunkt

„Es geht nicht um ein besser, weil jeder Vergleich schon Gift in sich trägt. Es geht vor allem um Stellvertretung, um ein Tragen des anderen Last, ein Beten für dich.“ Scheuer ermutigt, gerade in der Stellvertretung eine besondere Aufgabe zu sehen: „Es geht um die Stärkung der Menschen durch das Mittragen. Es gilt diese Räume des Gebetes und der Hoffnung für viele zu öffnen und offen zu halten. Es ist ein Mitnehmen auf den Weg und oft ist es auch ein Beten ins Leere hinein. Dazu gehört genauso die Gastfreundschaft. Es ist das Mittragen der Lasten und Orden sind Kirche im Brennpunkt. Und Orden stehen auch zur Großkirche in einer lebendigen und fruchtbaren Spannung.“ Scheuer sieht heute oft eine „repressive Egalität“. Auch das Schwinden der Ethik führt zu einer oft brutalen „Tribunalisierung“. Gerade in einer solchen Gesellschaft sind Orden „Zeichen, eine lebendige Erinnerung an die Freundschaft mit Jesus gegen die aufkeimende Jesusvergessenheit.“ Die Nachfolge Jesu ist nach Scheuer allerdings immer auch ein „Weg in die Fremde“. Scheuer: „Nachfolge ist kein Werk, keine Leistung, sondern wurzelt tief in der Freundschaft mit Jesus.“ Scheuer sieht über die Jahrhunderte bei den Orden auch ein „Einüben in die demokratischen Prozesse durch die partizipatorischen Ordensregeln“ und ein „Wirtschaften im Sinne der Gemeinwohlökonomie und von Laudato si“.

Siehe auch Ordensgemeinschaften.