Begegnungen und Entdeckungen in Rom

Die Schüler unserer beiden Maturaklassen haben eine Woche das antike und das katholische Rom kennengelernt, den neuen Abtprimas Gregory Polan und die ORF-Korrespondentin Mathilde Schwabeneder getroffen sowie eine interessante „Entdeckung“ gemacht.

Nicht weit vom Hotel, das die 8. Klassen von 13. bis 20. September 2017 mit ihren Begleitlehrern in Rom bewohnten, befindet sich am Nordwesteck der Piazza Vittorio Emanuele II. die Kirche Sant‘Eusebio.
Aus Interesse an der Hausgeschichte des Stiftes bin ich durch die Lektüre des Professbuches auf interessante historische Zusammenhänge aufmerksam geworden: Es handelt sich um die Titularkirche des aus Schiedlberg stammenden Kardinals Cölestin Ganglbauer (1817-1889), seit 1881 Fürsterzbischof von Wien, seit 1884 Kardinal, zuvor Abt von Kremsmünster, Professor am Stiftsymnasium sowie Konviktspräfekt und Konviktsdirektor.
Bereits um 300 hatte der römische Presbyter Eusebius an jener Stelle ein Oratorium errichtet. Somit gehört Sant‘Eusebio zu den ältesten Kirchen Roms. Nachdem im Lauf der Jahrhunderte verschiedenste bauliche Veränderungen getätigt worden waren, übergab Papst Sixtus IV. im Jahr 1471 die Kirche samt den angeschlossenen Gebäuden der benediktinischen Ordensgemeinschaft der Cölestiner. Kein Wunder, dass Kardinal Cölestin Ganglbauer nicht zuletzt aufgrund seines Namens diese Kirche zugewiesen bekam! Später erhielten die Jesuiten das Kloster und richteten ein Exerzitienhaus ein. 1883 wurde das Kloster Eigentum des Staates, seit 1889 ist Sant‘Eusebio Weltpriesterpfarre.
Wir begaben uns am 19. September 2017 zum Morgengebet nach Sant‘Eusebio. Dort lernten wir Don Sandro, den derzeitigen Pfarrer, kennen, der sich nach anfänglicher Unsicherheit über unser Kommen – Sant‘Eusebio ist kein touristischer „Hotspot“ – sichtlich freute, mit uns betete, eine Kirchenführung machte und mit Kremsmünster in Kontakt treten will. Heute liegt Sant‘Eusebio aufgrund der Nähe zur Stazione Termini in multikulturellem Umfeld (v. a. viele Asiaten und Muslime). Don Sandro betonte die Tatsache, dass man sich besonders in den Städten dieser multikulturellen Lage bewusst sein und freundschaftliche Kontakte mit den anderen religiösen Gruppen fördern müsse – und das gelinge in seiner Pfarre recht gut.
Wir werden mit Sant‘Eusebio in Verbindung bleiben und freuen uns, zum 200jährigen Geburtsjubiläum von Kardinal Cölestin Ganglbauer „seine Kirche in Rom“ besucht zu haben!

Die Romreise wurde auch durch weitere „Realbegegnungen“ bereichert: Die ORF-Korrespondentin in Rom, Dr. Mathilde Schwabeneder, gab uns einen höchst interessanten Einblick in ihre journalistische Tätigkeit, bei dem sie deutlich die Bedeutung einer fundierten Allgemeinbildung unterstrich. Außerdem hatten wir das Glück, den neu gewählten Abtprimas des Benediktinerordens, Gregory Polan, zu treffen und in Sant‘ Anselmo (dem „Hauptsitz der Benediktiner“) der lateinisch gesungenen Abendvesper im gregorianischen Choral beizuwohnen. Weiters hatten wir in Sta. Maria in Trastevere die Gelegenheit, mit Vertretern der Gemeinschaft Sant‘ Egidio zu sprechen. So bekamen unsere Schüler wirklich einen umfassenden Einblick und starten so mit vielen neuen Eindrücken in ihr letztes Schuljahr an unserer Schule.
Wolfgang Leberbauer

Bilder vom Besuch in der Kirche Sant‘Eusebio all‘Esquilino

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Kurzbiographie von Cölestin Josef Kardinal Ganglbauer (Abt von Kremsmünster von 1876 bis 1881)
Ganglbauer wurde am 20. 8. 1817 in Thanstetten geboren. Während seiner Gymnasialstudien wohnte er bei Verwandten und trat 1838 ins Kloster ein. Studium in Linz, Priesterweihe am 22. 7. 1843. Anschließend Seelsorger in Neuhofen, dann Professor der Grammatikalklassen, Professor für Religion (1854 – 1875), Konviktspräfekt und Konviktsdirektor (1855 – 1875). Ab 1875 Prior und Rentmeister, nach dem Tod Abt Augustins Administrator. Am 19. 4. 1876 wurde er zum Abt gewählt. Die Religionsfondssteuer traf das Stift hart, der kaisertreue Abt, der aufgrund vieler Verpflichtungen oft außerhalb des Klosters weilte, setzte aber die Instandsetzungen des Stiftes und den Bau der Kirche in Bad Hall fort und erwarb sich auf dem Gebiet der Kunst- und Wissenschaftsförderung Verdienste. Beim Jubelfest 1877 erlebten ihn die Vertreter des Kaisers und des Papstes als Mann von großem diplomatischen Geschick. So wurde er am 22. 3. 1881 zum Bischof von Wien ernannt. Nach seiner Ernennung kehrte er als erster Passagier der von ihm geförderten Kremstalbahn nach Kremsmünster zurück und verzichtete am 4. 8. 1881 auf die Abtei. Als Fürsterzbischof verstand er sich zuerst als Bischof und dann erst als Politiker, die Kaiserstadt bedurfte in dieser aufgeregten Zeit besonders seines gütigen und ausgleichenden Wesens. Am 10. 11. 1884 wurde er zum Kardinal kreiert. Am 14. 12. 1889 starb Ganglbauer.
Wappen: Auf blauem Grund ein Hirschkopf mit elf Sternen an den Geweihenden.
Bischofswappen: Benediktuskelch und der vom Speer durchbohrte Eber besagen, dass er Benediktiner von Kremsmünster ist.
Wappenspruch: Sacra Crux sit mihi lux. (Das Heilige Kreuz sei mein Licht.)