„Die beste aller Welten“

Gedanken zum Evangelium vom 17. Sep. 2017 und ein Filmtipp.

Das Evangelium vom 24. Sonntag im Jahreskreis beschäftigt sich mit dem Thema Vergebung … dazu gibt es aktuell einen berührenden Film. Hier finden Sie die Evangelienstelle Matthäus 18,21-35.

„Bis zum Heiraten wird’s wieder gut,“ sagt man öfter mal zu kleinen Kindern bei kleineren und größeren Wehwechen. Manchmal tragen aber Menschen doch auch schwere Lasten mit sich, wo man erlebt, dass nicht alles von selber wieder heilt. Schicksalsschläge die uns prägen, Enttäuschungen im Laufe der Jugend, Erfahrungen aus der Kindheit. Eine sehr berührende Schilderung von Kindheitserlebnissen durfte ich fast ein wenig zufällig – ich wollte mir einen gemütlichen Abend im Kino machen und hab bei der Filmauswahl gar nicht so genau geschaut – am vergangenen Mittwoch sehen. „Die beste aller Welten“ ist der erste Langfilm des 26jährigen Salzburgers Adrian Goiginger. Mit einem kindlichen Blick zeigt er in dem Drama seine eigene Kindheit, als Sohn einer heroinsüchtigen Mutter. Aber es ist kein herkömmlicher Drogenfilm, sondern ein Liebesfilm. Trotz Armut und Drogensumpf in Liefering ist es eine Hoffnungsgeschichte. Und der Regisseur betont, dass der Film die Erwartungen nicht wirklich erfüllt … seine Mutter hat sich aus Liebe zu ihrem Sohn ins Leben zurückgekämpft. Und ihm eben die beste aller Welten vermittelt. Er hatte eine schöne Kindheit, sagt er im Rückblick, obwohl der Film auch zeigt, was er sich mitgemacht hat. Die Mutter und ihr Lebensgefährte Günter taumeln zwischen himmelhochjauchzend und zutodebetrübt und verschaffen dem 7jährigen Adrian eine Art Traumwelt. Es werden seine Albträume gezeigt, in denen er gegen die Dämonen, das sind vielleicht die Sucht an sich und die Dealer, kämpft. Und es wird sein Traum gezeigt, den seine heroinsüchtige Mutter fördert, er will Abenteurer werden. So wie seine Mutter und vermutlich alle Drogenabhängigen auch. Sie suchen das Abenteuer. Wollen Aussteigen aus der realen Welt, das Vakuum im Herzen füllen, etwas bewegen und erleben. Die Realität ist aber dann so, dass sie eher das Leben behindert, abgesehen von ein paar trunkenen Glücksmomenten die die Droge verschafft. Einer steigt aus, aus diesem Sumpf. Und wird zunächst von den anderen verlacht. Was man nämlich in all den positiven Kritiken des Films in den Medien kaum liest oder wenn, dann wie im Fall der Presse eher belächelt wird, ist die Tatsache, dass die Wende aus dem grau-schummrig-traurigen Milieu, das die Kamera auch gut einfängt, durch diesen Drogenaussteiger kommt. (Bernhard Windbichler) Er kommt clean vom Entzug zurück und will die Anderen überzeugen, sie gewissermaßen vielleicht sogar „retten“ …denn er hat an keinem Substitol-Programm teilgenommen und auch keinen damals üblichen Entzug gemacht. Nein, er war in Spanien in einer nicht näher genannten christlichen Gemeinschaft und er erzählt den Anderen, dass er erkannt hat, dass Jesus die Menschen liebt, egal wie tief sie im Sumpf drinnen stecken und dass ER sie erlösen und heilen will. Vor lauter Wut der Anderen über diesen Schwachsinn geht sogar ein Fernseher kaputt. In Helga Wachter, der Mutter von Adrian, zerbricht aber eher der harte Kern, platzt die Schutzschicht, die sie um ihr wundes Herz gebaut hat. Tränen strömen und immer wieder zeigt der Film Kreuze, die in der Wohnung hängen. Nach dem tragischen Höhepunkt des Films schafft sie den Absprung. Der Film endet mit hellen Farben und gibt Hoffnung.
Was ist passiert? Günter, der damalige Lebensgefährte und spätere Mann, der wie Helga um 1999 den Ausstieg aus der Drogenhölle geschafft hat, erzählt es in einem youtube-Video aus dem Jahr 2011, ein Jahr bevor Helga 39jährig an Krebs stirbt. Adrian Goiginger, der jetzt den Film gedreht hat, hat sich damals entschlossen, seiner Mutter mit einem Film ein Vermächtnis zu setzen. Zwei kleine Kinder hinterlässt Helga auch noch. Und trotz oder gerade wegen all diesen furchtbaren Lasten, die dieses Leben ausmachen ist da Hoffnung. Günter bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Ein Freund sagt mir ‚Gott liebt dich‘ und dass Gott selber auf die Erde gekommen ist, um mich zu retten. Das ist natürlich völlig verrückt und unglaublich. Gott sagt uns, dass wir eine Schuld mit uns tragen gegenüber unserem Schöpfer, dass wir bei weitem nicht so unterwegs sind, wie wir sein könnten. Trotzdem hat Gott sich von Anfang an entschieden, uns zu retten. Ich hab gehört, es gibt Vergebung. Am Anfang war das ziemlich theoretisch, …ich hab dann aber gemerkt, was Vergebung bewirkt und dass die Basis von unserem Leben Vergebung ist. Die Basis von unserem Leben ist nicht die Liebe, die aus uns entspringt, sondern ist die Vergebung, die wir uns untereinander geben aber vor allem, die Gott uns gibt. Durch Jesus können wir Vergebung erlangen.“
Die Basis ist Vergebung, das ist die Botschaft unseres Glaubens. Wir müssen einander vergeben, uns selbst vergeben und glauben und erfahren, dass Gott die Vergebung ist.
Diese Erfahrung rettet und heilt. Die drogenabhängige Mutter und ihren Lebensgefährten …vor allem aber auch den jungen beeindruckenden Regisseur Adrian, der im Film „die beste aller Welten“ zeigt, dass es Menschen braucht, die einen trotz aller Fehler die sie haben bedingungslos lieben, was er bei seiner Mutter erlebt. Und dass es letztlich IHN braucht, der uns liebt und uns so hilft, in der Vergebung zu leben. „Bis zum Heiraten wird’s wieder gut,“ das kann weder ich versprechen, noch der Film. Aber er zeigt, dass es gut wird, wenn wir einen Bund mit Gott schließen, unsere ganze Hoffnung an Gott hängen, wenn wir all den Schmarrn den auch wir beinander haben bei ihm am Kreuz abladen, dann dürfen wir die Gewissheit haben, dass auch wir auferstehen werden. „Die beste aller Welten“ ja die haben wir, wenn und weil Gott auf unserer Welt ist. Und manchmal begegnet er ganz eigentümlich. Mir ist er neulich im Kino begegnet.
P. Franz
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