„Aus klein mach groß“

Maria – kleine Magd, mit der Gott Großes vor hat. Ihre – und unsere – Vollendung in der Herrlichkeit Gottes feiern wir am 15. August.

„Ein großes Zeichen erschien am Himmel: Eine Frau, umgeben von der Sonne, den Mond unter ihren Füßen, und einen Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.” (Offenbarung 12,1). Im Hochsommer feiern wir zu „Maria Himmelfahrt” oder – wie es theologisch korrekt heißt – „Mariä Aufnahme in den Himmel” den Glauben daran, zukünftig mit Leib und Seele in die Vollendung Gottes aufgenommen zu sein. Symbolisch sammeln wir dafür Kräuter und binden Kräuterbuschen, die dann gesegnet werden. So laden auch wir herzlich zu den Gottesdiensten am 15. August 2017 um 9:15, 10:15, 11:30 und 19:00 in unserer Stiftskirche herzlich ein. Die Goldhaubenfrauen verteilen nach allen Gottesdiensten Kräuterbüscherl.

„Wenn Gott ja sagt, dann hat das enorme Auswirkungen“ – eine Predigt zum Fest
Teenagerschwangerschaft. Wir kennen das. Kaum 15 Jahre alt, mit einer neuen Schule oder  einer Berufsausbildung begonnen, womöglich erste große Liebe oder zumindest erste sexuelle Erfahrungen. Und dann Schwanger. Sowas gibt es nicht nur in den großen Städten zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Dieses Problem durchzieht die Menschheitsgeschichte. Ja, es ist ein Problem …weil oft die Mädchen fertig gemacht werden, beschuldigt werden, verlassen werden, …und dann ist da Angst. Ich kann es meinen Eltern nicht sagen, was soll ich tun, wer hilft mir, ich bin noch zu jung … und wir wissen auch, dass es dann durchaus auch die Gedanken gibt, die Schwangerschaft abzubrechen, das Leben dieses kleinen Wesens, das da heranwächst zu beenden. HOFFNUNGSLOSIGKEIT. In dieser Situation war auch das junge Mädchen Maria aus Nazareth damals …und wir dürfen uns das wirklich auch so ausmalen, dass das zuerst einmal eine furchtbare Situation für Maria war. Interessanterweise sagt man manchmal noch, wenn jemand ein Kind erwartet „sie ist guter Hoffnung“ …von Hoffnung kann in so einer Situation wohl keine Rede sein. Und doch, das was uns da das Evangelium über die Umstände dieser Teenagerschwangerschaft vor 2000 Jahren berichtet, der Text der Maria da in den Mund gelegt wird ist ein Hoffnungslied. Ist der Beweis dafür, dass Gott gerade in dieser Situation, die eigentlich Grund zur Verzweiflung gibt, da ist. Dass Gott sich damals und immer den Kleinen und Schwachen zuwendet. Dass unser Gott wirkt in der Geschichte, vor allem dort wo es eine schwierige Geschichte ist. Maria ist Zeichen der Hoffnung und Vorbild für uns, weil an ihr gezeigt wird, dass Gott auf krummen Zeilen gerade schreibt, dass ER „ja“ sagt wenn wir am Liebsten „nein“ sagen würden. Die Geschichte der Geburt Christi berichtet aber davon, dass maria nach anfänglichem Einwand dann „ja“ sagen kann. Es ist ein dreifaches, wechselseitiges „JA“

  • Maria sagt JA zu Gott – auch wenn sie Seine Pläne nicht versteht, vertraut sie IHM
  • Maria sagt JA zu sich selbst – zu ihrer Geschichte, auch zu den schweren Dingen des Lebens.
  • Maria sagt JA zu den Anderen – ja zu ihrem Sohn, ja zu Elisabeth, der sie in der Schwangerschaft beisteht.

Und dieses „ja“ sagen, diese positive Grundeinstellung ist der Schlüssel dazu, dass wir Hoffnung schöpfen können, dass auch wir in unserem Leben, wo eben auch nicht immer alles so läuft wie wir uns das vielleicht wünschen und erwarten würden, „ja“ sagen können und Hoffnung haben. Der Lobpreis Mariens, das Magnificat ist ein Hoffnungslied.
Dietrich Bonnhoeffer schrieb einst über das Magnificat:
“Dieses Lied der Maria ist das leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen revolutionärste Lied, das je gesungen wurde. Es ist nicht die sanfte, zärtliche, verträumte Maria, wie wir sie auf Bildern sehen. Nein, es ist die leidenschaftliche, hingerissene, stolze, begeisterte Maria, die hier spricht… Von hartem, unerbittlichem Leid von stürzenden Thronen und gedemütigten Herren dieser Welt. Von Gottes Gewalt und der Menschen Ohnmacht.”
Und schön ist die Rahmengeschichte … Maria hat es eilig. Sie muss zupacken, wo Not groß ist. Es fehlt Maria nicht  an Arbeit. Sie erwartet ein Kind, aber sie denkt an Elisabeth. Maria eilt in das Gebirge zu Elisabeth. Sie geht dorthin, wo sie gebraucht wird. So sollen auch wir uns fragen:[1]
Wofür nutze ich meine ich Zeit ? Für wen nehme ich mir gerne Zeit? Für wen habe ich keine Zeit? Wo müsste ich zupacken, wo werde ich gebraucht? Habe ich einen Blick für andere in Not ?
Unser Glaube muss sich auswirken, muss spürbar werden. Güte, Liebe, Geduld und Rücksichtnahme zeugen von unserer Gottverbundenheit. Wo dieser gute Geist herrscht, wird es auch Freude geben. Maria steht vor uns, als ein Zeichen der Hoffnung. Was an ihr geschah, wird auch an uns geschehen. Schauen wir  auf zu ihr, damit wir auf dem Weg bleiben, der zu Gottes Herrlichkeit führt und immer neu “ja” sagen können.

[1] Vgl. http://www.lukas14.de/tag/dietrich-bonhoeffer