„Heilig‘ Kreuz, du Baum der Treue“

Mit diesen Worten beginnt der Hymnus des Morgengebetes in der Karwoche, zu dem wir auch heuer wieder sehr herzlich einladen. Am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag feiern wir die stimmungsvollen Trauermetten um 07:00 Uhr in unserer Stiftskirche!

Hier finden Sie Hintergrundinformationen zu den Trauermetten!

Gott rettet uns … aus unseren Schiffbrüchen – ein Impuls zum Osterfest.
„Heilig‘ Kreuz, du Baum der Treue“ ist der deutsche Text des alten Hymnus „Crux fidelis, inter omnes arbor una nobilis“ von Venantius Fortunatus, der um 600 gelebt hat. Dieser alte Text (siehe unten) berührt mich aber jedes Jahr aufs Neue. Gerade die Textzeile „Du, die Planke die uns rettet aus dem Schiffbruch dieser Welt,“ spricht mir aus der Seele. Wenn wir unser Leben mit einer Reise, einer Schifffahrt vergleichen, dann erleben wir doch auch immer wieder Situationen, wo wir Schiffbruch erleiden. Scheidung, Arbeitslosigkeit, Krebs, Kinderlosigkeit, ein schwerer Unfall, ein großer Streit in der Familie, schließlich der Tod … immer wieder werden wir schiffbrüchig und fragen uns, wer uns rettet.
„Wir wollten doch den Horizont erreichen und haben nur ein Schiffchen aus Papier,“ singt einer meiner liebsten Liedermacher Reinhard Mey. Und vermutlich fallen Ihnen auch Situationen ein, wo wir unterzugehen drohen. Schiffbruch mit unserem Lebensschifflein. Und Gott? Wo ist er in diesen schweren Stunden, in unseren persönlichen Kreuzwegen? Gott erleidet selbst Schiffbruch. Der menschgewordene Gott Jesus hängt am Kreuz. Das zeigt uns, dass ER da ist, wenn wir verzweifelt einen Ausweg suchen, wenn wir Halt brauchen. Er ist die Planke, die uns rettet. SOS – haben die Schiffe gemorst. Ursprünglich offenbar nur eingeführt, weil das leicht zu morsen war, hat sich dann als internationaler Hilferuf durchgesetzt und wurde mit der Bedeutung „Save our Souls“ interpretiert. SOS schreien auch wir in den Schiffbrüchen unserer Welt. Save our Souls. Rettet unsere Seele. Wenn und weil Jesus selbst Schiffbruch erlitten hat, dürfen wir wissen, dass ER uns retten wird. Sein Kreuz ist Heil und Rettung. Rettungsring im Sturm unseres Lebens. Damit ich gerettet werden kann, muss ich einen Notruf absetzen. Gottes Notrufzentrale ist immer besetzt. „Rufe mich an am Tag der Not; dann rette ich dich!“ sagt Gott zu uns Menschen in Psalm 50. Zu Ostern feiern wir, dass wir nicht bei der Katastrophe stehen bleiben, sondern dass es Rettung gibt. „Wir wollten doch den Horizont erreichen und haben nur ein Schiffchen aus Papier. In keinem Lebenssturm die Segel streichen, wir können es noch immer, zusammen – WIR!“ singt Reinhard Mey. Wir! Ja, wir können es, wenn wir zusammenstehen und auf Ihn vertrauen. Dann können wir selbst dem Tod die Stirn bieten. Dann können wir vertrauen, dass wir eine rettende Insel erreichen. Im Leben dauert der Karfreitag manchmal länger, doch Gott wird uns sicher retten. Er rettet unsere Seele. Er ist die Planke, die uns rettet aus dem Schiffbruch dieser Welt. Diese Erfahrung wünsche ich Ihnen, immer wieder, nicht nur zu Ostern.
Ein frohes und gesegnetes Fest der Auferstehung und immer wieder „Auferstehungs-Momente“ im Alltag.
P. Franz

Morgengebetshymnus „Heilig Kreuz, du Baum der Treue.“
Heilig Kreuz, du Baum der Treue,
edler Baum, dem keiner gleich,
keiner so an Laub und Blüte,
keiner so an Früchten reich:
Süßes Holz, o süße Nägel,
welche süße Last an euch.

Beuge, hoher Baum die Zweige,
werde weich an Stamm und Ast,
denn dein hartes Holz muß tragen,
eine königliche Last,
gib den Gliedern deines Schöpfers
an dem Stamme linde Rast.

Du allein warst wert zu tragen
aller Sünden Lösegeld,
du, die Planke, die uns rettet
aus dem Schiffbruch dieser Welt.
Du gesalbt von Blut des Lammes,
Pfosten, der den Tod abhält.

Lob und Ruhm sei ohne Ende
Gott dem höchsten Herrn geweiht.
Preis dem Vater und dem Sohne
und dem Geist der Heiligkeit.
Einen Gott in drei Personen
lobe alle Welt und Zeit. Amen.

Nach: Crux fidelis, inter omnes arbor una nobilis; Venantius Fortunatus + nach 600

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