Studenten erforschen Handschriften

Im Rahmen eines Proseminars der Germanistik der Universität Wien, das sich mit deutschsprachigen Texten in Kremsmünsterer Handschriften des Mittelalters beschäftigt, kamen 30 Studierende ins Stift, um die Objekte ihrer Forschung live zu sehen. Ein Bericht von Mag.a Christina Jackel, Universität Wien.

Mit freundlicher Genehmigung des Stiftsbibliothekars P. Petrus und unter Anleitung der Seminarleiterin Christina Jackel konnten die Studenten in kleinen Gruppen jeweils jene Handschriften studieren, über die sie im Laufe des Semesters schon viel Wissen zusammengetragen hatten. Darunter waren beispielsweise zwei Minnelieder Walthers von der Vogelweide und ein Fragment des ‚Iwein‘-Romans von Hartmann von Aue, die beide hier in einer sensationell frühen Überlieferung erhalten sind. Auch eine deutschsprachige  Benediktsregel, die wohl aus einem Frauenkloster nach Kremsmünster kam, ein kurzer Text, der auf die Gefahren des Würfelspiels hinweist oder ein Streitgespräch zwischen einem Priester und einer Frau standen auf dem Programm. Zwei Texte aus dem Bereich der Geschichtsschreibung, nämlich eine österreichische Chronik aus dem 15. Jahrhundert, die von 95 Herrschaften über das Land erzählt, und ein kurzer Text über die Stiftsgründung durch Herzog Tassilo, die im einzigen erhaltenen mittelalterlichen Beutelbuch Österreichs steht, zeigten noch weitere Facetten der Vielfalt der deutschsprachigen Überlieferung in der Stiftsbibliothek.

Wunderbar ergänzt wurde dieser Tag durch eine Präsentation besonders prachtvoller Handschriften durch Dr. Hauke Fill, eine spontane Führung durch den Bibliotheksaal mit Dr. Manfred Postlmair und Frau Marlene Rauscher, die für die Studierenden zwei Stiftsführungen organisierte.

Mag.a Christina Jackel, Universität Wien
Fotos: Manfred Postlmair