Vertrauen in Gottes Kraft

Gedanken zum 9. Sonntag im Jahreskreis

Ein regelmäßiger Kirchenbesucher fragte mich einmal: „Warum sagen wir vor der Kommunion in der heiligen Messe eigentlich immer: ‚Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.‘“

Ich erzählte ihm dann die entsprechende Geschichte aus der Bibel, das heutige Evangelium: Jesus wird in Kafarnaum von einem Hauptmann der römischen Besatzungsmacht gerufen, weil dessen Diener krank war. Der Hauptmann hatte aber eine solche Ehrfurcht vor Jesus, dass er ihm Freunde entgegenschickte, die Jesus diese Worte ausrichteten sollten: „Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden.“ Als die Freunde in das Haus des Hauptmanns zurückkamen, fanden sie den Diener wieder gesund.

Der Gottesdienst der Kirche, die Liturgie, nimmt zu einem großen Teil biblische Texte auf. So auch an der Stelle der Eucharistiefeier, an der der Priester die zum Leib Christi gewandelte Hostie emporhält und spricht: „Seht, das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt.“ Alle antworten: „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“

Das passt doch hervorragend: Wie der Hauptmann im Evangelium bin ich eigentlich nicht würdig, dass Christus zu mir kommt. Und dennoch handelt er an mir, spricht sein befreiendes und heilendes Wort.

P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2016