Gott auf unseren Wegen

Gedanken zum Fronleichnamsfest

Was verbinden Sie mit Fronleichnam? Ich denke spontan an ein Fronleichnamsfest während meines Studiums in den USA. In Washington, D.C., dachte ich, müsste es doch eine große Prozession geben. Die ist aber im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht so ohne weiteres erlaubt. Es gab nur einen mickrigen Umzug in der Kathedrale. Jahre später, ich war mittlerweile Benediktiner geworden, verbrachte ich Fronleichnam im süditalienischen Zisterzienserkloster Casamari. Dort legt man in tagelanger Arbeit einen langen Blumenteppich mit religiösen Motiven auf die Straße. Eindrucksvoll, bei der Prozession hinter der Monstranz auf unzähligen Blüten zu gehen.

So unterschiedlich diese beiden Fronleichnamsprozessionen in den USA und in Italien waren, sie fanden gleicherweise an einem Sonntag statt. Bei uns fällt das Fronleichnamsfest traditionell auf den Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag, also 60 Tage nach Ostern, während Pfingsten am 50. Tag des Osterfestkreises gefeiert wird.

Zu Fronleichnam wird uns vor Augen geführt, dass wir in der Eucharistie finden, was wir in diesem Jahr schon gefeiert haben: Die Ankunft Gottes in Jesus Christus, sein Leben, Leiden und Sterben, die Auferstehung und die Sendung des Heiligen Geistes. Eine klare Botschaft: Geht nicht in den Alltag, in den Sommer ohne diese Himmelsspeise, die euch auf den Straßen des Lebens begleiten und verwandeln will!

P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2016