Gott ist nicht einsam

Gedanken zum Dreifaltigkeitssonntag

Trinität, Gott als Dreifaltiger. Was soll denn das bedeuten? Laufe ich bei diesem Thema nicht Gefahr, dass Sie nicht mehr weiter lesen? Aber im heutigen Evangelium spricht Jesus Christus von sich selbst, von seinem Vater und vom Heiligen Geist. Drei Personen, ein göttliches Wesen. Das hat für Christen handfeste Konsequenzen.

In unserer Zeit sind wir versucht, einfach beiseite zu legen, was wir nicht sogleich verstehen. So werden selbst in der Gebetssprache und der Liturgie manchmal vorschnell Begriffe entsorgt, weil sie anscheinend Worthülsen sind. Doch was zweitausend Jahre im Zentrum des Glaubens stand, können wir nicht einfach beiseite schieben. Viele Male beten wir im Kloster das „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist“, und unzählige Menschen in Oberösterreich bekreuzen sich täglich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Für das Christentum ist Gott nicht einsam, er ist seinem Wesen nach Gemeinschaft, aus überfließender Liebe. Vielfalt in der Einheit. Wie ich Gott sehe, bestimmt mein Selbstverständnis, weil ich ja sein Abbild bin: Ich darf ganz in mir selber stehen und doch mit und von anderen leben; mich anderen verbunden fühlen, ohne vereinnahmt zu werden; geschaffen aus Liebe und dennoch unabhängig und frei.

Dieser Dreifaltigkeitssonntag zeigt mir, was der Raum Gottes für mich bedeuten könnte – ein Leben vor dem Vater durch den Sohn im Heiligen Geist.

P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2016