„Komm, Herr Jesus!“

Gedanken zum 7. Sonntag der Osterzeit

Vor ein paar Wochen ist im Stift Schlierbach Pater Benedikt mit 62 Jahren gestorben. Er war schon 53, als er ins Kloster eingetreten ist. Vor fünf Jahren begleitete ich ihn in Exerzitien kurz vor den ewigen Gelübden, der Profess. In unseren Gesprächen ging es auch um seine Zukunft. Wir hätten damals nie gedacht, er würde nur noch wenige Jahre leben. Voll Freude bereite er sich auf die Diakonatsweihe vor. Doch dazu ist es nun nicht mehr gekommen.

Sein Totenbild liegt auf meinem Schreibtisch. Wenn ich mich im Alltag zu ernst nehme oder über eine Sache maßlos ärgere, schaue ich auf dieses Bildchen des allzu früh verstorbenen Mitbruders aus dem Nachbarkloster. Wir sind unterwegs und haben unser Leben doch so wenig in der Hand!

Die Welt ist noch nicht vollendet, vieles bleibt bruchstückhaft, wir sind noch nicht angekommen. Jesus Christus ist zwar gekommen – er ist uns aber auch entzogen. So heißt es in der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel, ganz am Ende: „Komm, Herr Jesus!“

Eine Wahrheit, mit der wir zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten konfrontiert sind: Der Himmel ist auf Erden nur erahnbar, das Reich Gottes erst angebrochen, Jesus muss uns immer neu seinen Geist senden. So fügt es sich gut, wenn heute in der zweiten Lesung die Zusage des Herrn erklingt: „Ja, ich komme bald.“ Und auch der menschliche Schrei nicht unterdrückt wird: „Maranatha – komm, Herr Jesus!“ (Off 22,20)

P.Bernhard Eckerstorfer, ORF 2016