In den Himmel

Gedanken zu Christi Himmelfahrt

Von einem jüdischen Lehrer, einem Rabbi, wird erzählt, dass er jeden Morgen vor dem Frühgebet zum Himmel aufsteige. Ein Feind von ihm lachte darüber und legte sich vor dem Morgengrauen auf die Lauer. Da sah er, wie der Rabbi als Holzknecht verkleidet in den Wald ging. Sein Feind folgte ihm unauffällig. Er beobachtete den Rabbi, wie dieser Holz sammelte und es zu einer armen, alten Frau brachte. Durch das Fenster des kleinen Häuschens sah er, wie der Gottesmann auf dem Boden kniete und den Ofen einheizte. Als die Leute später fragten, was es denn nun auf sich habe mit der täglichen Himmelfahrt des jüdischen Lehrers, gestand sein früherer Gegner wie verwandelt ein: „Er steigt noch höher als bis zum Himmel.“

Diese Geschichte finde ich passend für das Fest Christi Himmelfahrt. Im heutigen Evangelium heißt es: „Während Jesus die Jünger segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück.“ (Lk 24,51-52)

Wir können einen Vorgeschmack des Himmels auf Erden erleben, wenn wir Jesus Christus nachfolgen und von seinem Geist erfüllt sind. Die katholische Mystikerin Madeleine Delbrel sagte: „Für den, der Gott sucht wie Mose, kann eine einfache Stiege im Haus der Sinai sein.“

Das heißt: Die Wege unseres Alltags können uns auf den Gottesberg führen. Und Christi Himmelfahrt wird auch uns verwandeln.

P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2016