„Wenn der Tag beginnt“

Gedanken zum Sonntagsevangelium vom 10. April 2016

Im Überfluss, der ihnen geschenkt wird – 153 Fische – und beim gemeinsamen Essen erkennen die Jünger, wer da zu ihnen kommt. Die Nachfolgegemeinschaft Jesu erlebt, dass ihr Mühen die ganze Nacht hindurch umsonst ist. Und dann erscheint im Morgengrauen einer, der vorerst Unmögliches fordert. Was sollen sie ihm denn geben, wenn sie nichts haben? Sie tun dennoch, was er sagt und erkennen dann, wer sie da um Fisch bittet. Bei den Jüngern ist nach all dem Trubel der Auferstehung wieder der Alltag eingekehrt und sie gehen ihrem Beruf als Fischer nach. Auch in unserer Alltäglichkeit will Jesus begegnen. Vermutlich nicht in einem so spektakulären Zeichen wie in diesem „Fischwunder“, wohl aber erkennen wir ihn, wie die Jünger, auch meist nicht gleich. Damit wir Jesus-Gott in unserem Leben erkennen, ist es wichtig, zu wissen, wann der Tag beginnt. Wie es schön in einer chassidischen Geschichte beschrieben wird.
„Könnt ihr mir sagen, wie man die Stunde bestimmt, in der die Nacht endet und der Tag beginnt?“ fragt ein Rabbi seine Schüler. Einer glaubte es zu wissen: „Vielleicht dann, wenn man von der Ferne einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann?“ „Nein“, antwortete der Meister. „Wenn man einen Dattelbaum von einem Feigenbaum unterscheiden kann!“, glaubte ein anderer Schüler zu wissen. Schließlich sagte der Meister: „Nun gut, ich will es euch verraten. Der Tag beginnt dann, wenn ihr in das Gesicht eines Menschen blicken könnt und euren Bruder oder eure Schwester darin erkennt. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.“
© Neues Volksblatt vom 09.04.2016, P. Franz Ackerl

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Evangelium Johannes 21, 1-14
In jener Zeit offenbarte Jesus sich den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus – Zwilling -, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.