„Alles war schön“

Altabt DI Oddo Bergmair feiert seinen 85. Geburtstag.

OddoAm 22. März 2016 vollendete Altabt Oddo sein 85. Lebensjahr. Da dies der Dienstag in der Karwoche ist, fand um 7 Uhr eine Messe am Kalvarienberg statt, bei der Abt Oddo konzelebrierte. Im Anschluss daran luden die Verwandten von Abt Oddo zu einer Agape mit Kaffee und Kuchen vor der Kirche. Zu diesem gemütlichen Beisammensein kamen auch Bgm. Gerhard Obernberger und VBgm. Manuela Neubauer. Diese kleine Feier war eine gelungene Überraschung für Abt Oddo, der sich sichtlich freute.
Mittags wurde dann im Kloster gratuliert. Auch wenn sich Altabt Oddo durch seine absolute Bescheidenheit auszeichnet, nehmen wir seinen „Halbrunden“ dennoch zum Anlass, dankbar auf sein Leben zu blicken, hat er doch unser Kloster 25 Jahre lang geleitet. Das Wesen von Abt Oddo kommt sehr schön in einem Interview zum Ausdruck, dass wir für unser „Mitarbeiter-Informationsblatt“ anlässlich des 80. Geburtstages vor 5 Jahren geführt haben, das wir hier nochmal zugänglich machen.

Interview mit Abt Oddo vom 24. März 2011

Abt Oddo, vor zwei Tagen hattest du Geburtstag, wie hast du diesen selbst erlebt?
Solche Feiern muss man halt über sich ergehen lassen (lacht). Auch mit meinen Brüdern werden wir noch feiern, das machen wir schon immer und das ist mir auch wichtig.

Du stammst aus einfachen Verhältnissen, wie war deine Kindheit?
Ich bin der dritte von sechs Brüdern und wir hatten eine sehr kleine Landwirtschaft mit drei Joch, von der man aber nicht leben konnte. Noch dazu war das ja in der Zwischenkriegszeit, wo es wirtschaftlich sehr schwierig war. Ich erinnere mich, dass fast jeden Tag Bettler vor unserer Tür standen und meine Mutter hat ihnen halt so gut es ging geholfen. Sie war eine sehr fromme Frau und hatte auch gute Kontakte ins Stift – eine ihrer Freundinnen war die bekannte Türnitz-Miazl. Mein Vater war, wie Männer halt so sind, nicht ganz so fromm, aber insgesamt hatte ich ein sehr religiöses Elternhaus. Mein Vater hat im Stift als Zimmerer gearbeitet, wurde aber wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage entlassen und hat dann beim Land in der Straßenverwaltung gearbeitet. Auch wir haben als Kinder schon zu Hause und bei größeren Bauern mitgearbeitet. Geprägt hat meine Kindheit sicher auch die Zeit des Nationalsozialismus. Wir Kinder wussten ja nicht, was da vor sich geht und haben beim Anschluss am Marktplatz mitgejubelt. Als wir dann nach Hause kamen hat uns unsere Mutter eine „Watsche“ gegeben. Nach der Volksschule bin ich zuerst in die Hauptschule gegangen. P. Norbert hat mich damals einmal gefragt, was ich werden möchte und ich hab gesagt „Pfarrer.“ „Da musst du aber ins Gymnasium gehen!“ hat er geantwortet, ich wollte aber nicht. Schließlich kam ich doch ins Gymnasium nach Linz, weil meine Mutter nicht wollte, dass ich in die Nazi-Schule nach Kremsmünster gehe. Nach dem Krieg war ich dann im Stiftsgymnasium und bin 1951 eingetreten.

Du blickst auf ein langes Leben, gibt es etwas, das du rückblickend anders machen würdest?
Das weiß ich nicht, ich bin froh, dass sie mich aus dem Stift nicht hinausgeschmissen haben (lacht). Es ist halt vieles anders gekommen, als ich das geplant hatte. Nach dem Noviziat war geplant, dass ich Theologie in Salzburg studiere, ich wurde aber kurzerhand nach Rom geschickt. Danach wurde ein Mitarbeiter für das Forstamt gesucht, weil aber der dafür vorgesehene P. Matthias ein ärztliches Attest gebracht hatte, dass er nicht Forstwirtschaft studieren kann, haben sie halt mich genommen. Eigentlich wollte ich immer Pfarrer werden, das bin ich aber bis heute noch nicht geworden. Aber ich würde trotzdem den gleichen Weg noch einmal gehen.

1982 wurdest du zum Abt gewählt, hast du damit gerechnet?
Es wurde schon gemunkelt, dass ich gewählt werden könnte, aber gerechnet damit habe ich nicht. Dann war’s halt so und ich habe „ja“ gesagt.

25 Jahre warst du Abt, was war dir als Abt wichtig?
Dass die Mitbrüder und Mitarbeiter mit mir zufrieden sind und dass ich für die Menschen da bin. Mein Wahlspruch ist ja „SERVUS“ was eben Diener bedeutet und ein solcher wollte ich sein, auf der anderen Seite habe ich auch immer betont, dass die Leute sagen werden „na servas, so ein Prälat.“

Das Abtamt ist ja Würde und Bürde zugleich, was waren Höhepunkte für dich und was Tiefschläge?
Alles war schön! Die Mitbrüder waren sehr lieb und geduldig mit mir. Anfangs hatten wir doch noch einige Eintritte, viele sind aber auch wieder gegangen, das hat mir schon weh getan und manchmal habe ich mich auch gefragt, was ich als Abt falsch gemacht habe.

2007 hast du das Amt an Abt Ambros übergeben, wie hast du dich dabei gefühlt.
Ich war froh, das Amt abgeben zu können, ich hätte ja nie gedacht, dass ich einmal Abt werde. Ich habe auch nicht darüber nachgedacht, wer mein Nachfolger wird. Es ist schon darüber geredet worden, aber als Abt erfährt man ja wenig. Jetzt bin ich sehr zufrieden, Abt Ambros ist ein guter Abt.

Zum Geburtstag bekommt man viele Glückwünsche, was wünscht du dir selbst für die nächsten Jahre und was wünschst du dem Stift für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass ich gesund bleibe und bin sehr zufrieden, so wie es ist. Für die Zukunft des Klosters frage ich mich, was da noch alles daher kommen wird. Was mir sehr nahe geht ist, dass der Kirchenbesuch so stark zurückgegangen ist. Ich wünsche unserem Kloster, dass es gut weiter geht, dass wieder junge Männer bei uns eintreten und dass wir auch weiterhin so gute Mitarbeiter haben. Es kann nur gut weiter gehen, wenn Gott an erster Stelle steht und wir versuchen, so zu leben, wie unser christlicher Glaube es uns zusagt.