Was machen unsere jungen Mönche?

fr. Fabian zum Beispiel war jetzt bei einer interessanten Tagung in Stuttgart. „Sind Christentum und Islam überhaupt Kritikfähig?“ war die Frage, die bei diesem Theologischen Forum diskutiert wurde. Ein Rückblick.

Unter dem Titel: Kritik, Widerspruch, Blasphemie – Anfragen an Christentum und Islam trafen sich von 4. bis 6. März 2016 muslimische und christliche Theologen, Philosophen, Religionswissenschaftler und Interessierte aller akademischen Grade in der Akademie der Diözese Rottenburg Stuttgart zum heurigen Theologischen Forum Christentum – Islam. Dabei spielte nicht gegenseitige Kritik der beiden Religionen eine Rolle, sondern v.a. wie sehr sie aus sich heraus diese Anfragen an den eigenen Glauben gestalten können und wie konstruktiv gemeinter Widerspruch zu einer Weiterentwicklung der Lehre und einer Öffnung hin zur Welt führen kann.
Ziel dieses Forums ist es nicht am Ende mit fertigen Lösungen nach Hause zu fahren, sondern das Gespür für den jeweils anderen zu entwickeln. Daher liegt ein Hauptaugenmerk der Tagung auf den Pausen und den offenen Abenden, in denen das interreligiöse Gespräch zu den verschiedensten Themen weiter gepflegt wird.
Teilnehmer dieser Tagung war auch Frater Fabian Drack, der sein Diplomprojekt über die Möglichkeiten monastischer Theologie, Spiritualität und Identität im Dialog mit den Muslimen präsentierte. Er versuchte anhand von historischen Beispielen (vom 8. bis ins 20. Jahrhundert), den Wert von klösterlichem Gebet, Gastfreundschaft und Selbstverständnis aufzuzeigen.
Das Theologische Forum Christentum – Islam nimmt die Aussage des Papstes sehr ernst, welche er im September 2014 im Rahmen einer Ansprache an der Katholischen Universität “Nostra Signora del Buon Consiglio”, Tirana / Albanien, getätigt hatte:
Man kann keinen Dialog führen, wenn man nicht von der eigenen Identität ausgeht. Ohne Identität kann es keinen Dialog geben.
Das wäre ein Scheindialog, ein Dialog in den Wolken – er ist nutzlos. Jeder von uns hat seine religiöse Identität und ist ihr treu.“
Sich seiner eigenen Identität bewusst zu werden und zu verstehen, wie diese in der Welt zu leben ist, scheint Anfrage und Kritik genug an die jeweils eigene Religion und Religiosität zu sein.
Bericht: fr. Fabian Drack
Bilder: Serap Ermis, Dilruba Hayrunnisa Kam und fr. Fabian