„Ich zähle bis drei, aber dann!“

Gedanken zum Evangelium des 3. Fastensonntags, 28. Februar 2016, Lukas 13,1-9.

„Ich zähle bis drei, aber dann!“
Diesen Satz haben wohl manche von uns in der Kindheit öfter gehört oder auch selbst manchmal in der Erziehung eingesetzt. Diese Aussage ist eine eindeutige Warnung. Interessant ist, dass man meist gar nicht weiß, was „dann“ ist. Jesus warnt seine Zuhörer sehr drastisch mit den beiden Beispielen, wo Menschen umkommen, und zeigt auf, dass es notwendig ist, sich zu bekehren. Schon das Gleichnis vom Feigenbaum verdeutlicht aber, dass in letzter Konsequenz, wie auch bei den Eltern die drohen, die Zuneigung stärker ist als die Strafe und die Liebe mächtiger als der Groll. Das soll uns zu einer gewissen Sorglosigkeit verhelfen. Im Buch Jesaja lesen wir: „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht. Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.“ (Jes 49,15-16) Für mich eine Schlüsselstelle für menschliches Zusammenleben und für die Art, wie Gott seine Beziehung mit uns Menschen gestaltet. Wenn in Familien schon einiges geschehen muss, damit Eltern sich von ihren Kindern abwenden, dann toppt Gott das noch, indem er seine bedingungslose Zuneigung bekräftigt. Trotzdem ist es nicht egal, wie wir leben. Gerade die Fastenzeit will uns ermutigen, unseren Lebensstil zu reflektieren und uns wieder neu auszurichten. Manche Verhaltensweisen zu korrigieren. Vor allem aber, uns bewusst zu machen, dass Gott sagt: „Ich zähle bis drei, aber dann sag ich dir neu, dass ich dich liebe!“
P. Franz, © Neues Volksblatt, Magazin, 27. Feb. 2016

Lukas 13,1-9
In jener Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, so dass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte. Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden -meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.

Segen