Die Botschaft der Mätyrer

Gedanken zum 26. Dezember (Stefanitag)

Einen Tag nach Weihnachten feiern wir den ersten Märtyrer der Kirche: Stephanus, gesteinigt wegen seines Glaubens. Die Nachfolge Christi ist kein Honiglecken, sie fordert uns ganz. Doch dürfen wir an Jesu Weg sehen: Durch das Kreuz und den Tod hindurch strahlt schon das neue Leben.

Märtyrer gab es nicht nur in den ersten Jahrhunderten. Im 20. Jahrhundert erlitten mehr Christen das Martyrium als in allen Jahrhunderten zuvor – im Nationalsozialismus, im Stalinismus und in vielen Regionen der Erde durch kommunistische Regime und Militärdiktaturen. Wenn jemand für seine Überzeugung oder den Glauben stirbt, ist das ein machtvolles Zeichen der gewaltfreien Hingabe.

Viele Christen werden heute durch Extremisten bedroht. Papst Franziskus trägt unter seinem Gewand ein Kreuz, das ein Priester bei seiner Enthauptung im Irak umgehängt hatte. Ich lese Berichte über die Verfolgung und Ermordung von Christen durch den Islamischen Staat, z.B. über 250 verschleppte Gläubige aus dem syrischen Ort Qaryatayn. Der entflohene Pater Jacques Mourad berichtete vor einigen Wochen über die Standhaftigkeit dieser Christen, die in Todesgefahr Gottesdienste feierten und wie er sich durch diese Erfahrung neu geboren fühle.

Und so denke ich heuer zu Weihnachten auch an die Menschen, die in den letzten Monaten von weit her zu uns gekommen sind. Ich hoffe, dass die Flüchtlinge welchen Glaubens auch immer in dieser hochheiligen Weihnachtszeit auf Christen stoßen, die sie mit Respekt und Liebe aufnehmen.

P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2015