Ich habe Zeit

Gedanken zum 4. Adventsonntag

Adventmarkt 2015 05._06. Dez (43)Es ist wohl die berühmteste Begegnung zweier schwangerer Frauen: Im Evangelium, das heute in den katholischen Kirchen gelesen wird, besucht Maria ihre Verwandte Elisabeth. Oft wurde das Treffen der beiden gemalt: Die Kinder, die die beiden schwangeren Frauen noch in sich tragen, sind Jesus und Johannes der Täufer.

Wenn ich befreundete Familien besuche, merke ich, wie viel Aufmerksamkeit ein neugeborenes Kind braucht. Kaum eine Sekunde wird es von den Eltern aus den Augen gelassen. Wie viel investieren Eltern, Großeltern, Babysitter, Kindergartenpädagoginnen und viele andere in Kinder. Braucht nicht auch der Glaube viel Aufmerksamkeit? Die Beziehung zu Gott geht nicht von alleine, da muss ich viel investieren und immer neu Wege beschreiten, damit der Glaube nicht stumpf oder von der Routine ausgehöhlt wird.

Das nahende Weihnachtsfest macht bewusst, dass es eigentlich Gott ist, der unendlich viel in uns investiert. Er wurde Mensch, damit wir vergöttlicht werden; einer von uns, weil der Schöpfer uns mit einem menschlichen Herzen lieben wollte. Gott hat uns nicht nur erschaffen, sondern weiß durch die Menschwerdung von innen her, wie es uns geht und womit wir ringen. – Maria blieb drei Monate bei Elisabeth. Haben auch wir Zeit, das bewusst aufzunehmen, was in uns geschehen möchte – die Menschwerdung Gottes.
P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2015