Eine adventliche Frage: „Was soll ich tun?“

Gedanken zum 3. Adventsonntag

„Was sollen wir tun?“ Diese Frage ist der Refrain des heutigen Sonntagsevangeliums. Johannes der Täufer hatte zur Umkehr aufgerufen und gemahnt, dem Herrn die Wege zu bereiten. Die Leute, die da zur Taufe kamen, fragen nun, was zu tun ist. Der Glaube hat Konsequenzen.

„Was soll ich tun?“ – eine geradezu adventliche Frage, auch für uns. Mit ihr signalisiert jemand die Bereitschaft, sich neu auszurichten und zurückzukehren auf die Wege Gottes. Die Frage „Was soll ich tun?“ führt aber nicht in einen Aktivismus. Vielmehr ist eine grundsätzliche Haltung der Menschlichkeit gemeint.

Dazu möchte ich Ihnen eine Übung vorschlagen: Wenn Sie – in der Familie, am Arbeitsplatz, im Glauben – vor Entscheidungen stehen, sich in Konflikten befinden oder Herausforderungen zu bewältigen haben: Geben Sie sich nicht gleich eine Antwort, sondern treten Sie ans Fenster oder vor ein Kreuz – und fragen sie ganz ruhig: „Was soll ich denn tun?“ Es kommt wahrscheinlich nicht gleich eine Antwort. Aber Sie haben Raum geschaffen, in dem sich etwas ereignen kann. Immer wieder die Frage stellen: „Was soll ich tun?“ und dann auf die Antwort warten. So wird Ihnen eine Klarheit geschenkt, die nicht nur aus den eigenen Gedanken oder von anderen Menschen kommt.

Dann kann sich in diesem Advent auch bei uns ereignen, was im Evangelium steht: „Das Volk war voll Erwartung.

P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2015