Der Papst und die Barmherzigkeit

Gedanken zum Dienstag, 8. Dezember

Heute eröffnet Papst Franziskus das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Auch in der Diözese Linz werden in einigen Kirchen „Heilige Pforten“ geöffnet: im Linzer Mariendom, für das Traunviertel in Adlwang, für das Hausruckviertel in Maria Puchheim, für das Innviertel in Maria Schmolln und für das Mühlviertel in Maria Trost.

Der Wahlspruch unseres Papstes lautet: Miserando atque eligendo – „Erwählt aus Erbarmen“. Für ihn ist die Barmherzigkeit der Schlüssel dafür, Gott zu verstehen. Papst Franziskus möchte, dass alle Menschen „eine lebendige Erfahrung der Nähe Gottes“ haben und Gottes „Zärtlichkeit gleichsam mit Händen greifen können“.

Der Papst vermittelt selbst eindrucksvoll diese Erfahrung. Als wir vom Stift Kremsmünster aus im September Rom besuchten, erlebte das unsere Reisegruppe hautnah: Einige Jugendliche aus unserer Gruppe erzählten, wie sie bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz an der Absperrung standen. Gegenüber war ein schwer behindertes Kind im Rollstuhl. Als Papst Franziskus bei ihnen vorbei fuhr, blieb das Papamobil plötzlich stehen. Zur Überraschung aller stieg der Heilige Vater aus, ging zu diesem behinderten Kind hin, beugte sich nieder und umarmte es innig. Das Kind schlug die Arme um den Papst, der es zärtlich über den Kopf streichelte und an sich drückte. Die umherstehenden Menschen waren tief berührt. Für sie war die Liebe Gottes zum Greifen nahe gekommen.

P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2015