Über 1000 Jahre alter Heimkehrer

Auch Bücher verschwinden … und kommen wieder heim … interessante Berichte aus unserer Bibliothek.

Im Jahre 1967 verlieh der damalige Bibliothekar P. Willibrord unser Handschriftenfragment III/153 an den Mittelalterforscher Prof. Otto Meyer nach Würzburg. P. Willibrord starb 1978; Prof. Meyer folgte ihm im Jahr 2000 nach, und sein Nachlaß gelangte an die Staatsbibliothek Bamberg. Dort kam auch bei der Aufarbeitung im heurigen Jahre unser Fragment (samt Leihschein) ans Tageslicht.
Es handelt sich um 3 Blätter etwa im Format 20×15 cm, die von einem Bucheinband abgelöst worden sind. Unser Handschriftenexperte Hauke Fill hat sie bereits identifiziert: Es ist eine, von ihm auf das XI. Jahrhundert datierte, Abschrift des “Summarium Heinrici”. Die an unserer Bibliothek entstehende Dissertation von Frau Christina Jackel wird da noch Genaueres bringen.

acc22346adUmgekehrt haben auch wir eine Handschrift verabschiedet: Seit Jahrzehnten verwahren wir ein kleines Gebetbuch aus dem XVII. Jahrhundert, das Ende Juli seinem rechtmäßigen Eigentümer, dem Stift Heiligenkreuz, zurückgegeben wurde. Die Geschichte liest sich wie ein Krimi: Vor ca. 40 Jahren übergibt bei einer Beichte jemand dem Priester ein Büchlein, das er aus der Stiftsbibliothek Heiligenkreuz entwendet hat. Dieses landet in unserer Stiftsbibliothek. Kürzlich entdeckte es unser Bibliothekar P. Petrus, der es nun zurückgegeben hat. Das handgemalte Gebetsbuch stammt von einem gewissen P. Simon Tatius von Wilhering, der es 1641 dem Heiligenkreuzer Abt Michael Schnabl widmete und schenkte. Sehr schön, wunderbar gemalt, eine Kostbarkeit. Das Bild zeigt die Heiligenkreuzer Patres Wolfgang, Moses und Gerhard mit unserem P. Petrus bei der Übergabe.

Manche Besucher waren in letzter Zeit auch verwundert über die leeren Regale der Bibliothek. Momentan nehmen unsere Tischler notwendige Sanierungsmaßnahmen vor, dann sollen die Regale wieder befüllt werden.