Trauermetten in der Karwoche

Wir laden herzlich zu dieser stimmungsvollen und schönen Form des Morgengebetes ein. Am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag um 07:00 Uhr in der Stiftskirche.

karfreitagWas ist eine Trauermette?
Die Trauermetten sind eine besondere Form des Stundengebets an den Kartagen. Als „Mette“, lateinisch Matutin, wird die Lesehore bezeichnet, also der für jeden Tag mit eigenen Texten ausgestattete nächtliche oder frühmorgendliche Wortgottesdienst, der vor allem in Klöstern gebetet wird. In der Mette werden Psalmen, Schriftlesungen und geistliche Texte von Kirchenvätern und Theologen gelesen. In früheren Zeiten wurde in größeren Kirche die Mette an den Kartagen besonders gestaltet und erhielt so ihren Eigennamen „Trauermette“. Während des langen Gottesdienstes wurde ein spezieller dreieckiger Leuchter mit 15 Kerzen aufgestellt, die nach und nach gelöscht wurden. Damals wie heute sind die Trauermetten besonders von den Lesungen aus den Klageliedern des Propheten Jeremia geprägt.
Benjamin Leven in der Zeitschrift „praxis gottesdienst“

Wie ist eine Trauermette aufgebaut?
Inhalt dieses Gottesdienstes ist wie an jedem Morgen die hoffende Zuversicht auf das rettende Eingreifen Gottes, die durch das Hören auf sein Wort genährt wird. Dies kommt vor allem in den Hymnen und Psalmen zum Ausdruck.
Je drei Psalmen sind für beide Tage ausgewählt und durch entsprechende Kehrverse mit dem Tagesgeschehen verknüpft.
Das charakteristischste Element beider Morgenfeiern ist die (gesungene) Lesung aus dem Buch der Klagelieder, die dem Propheten Jeremia zugeschrieben werden. Durch ihre Verwendung an den beiden Tagen wird die Zerstörung des Tempels und ganz Jerusalems auf die Verurteilung und Hinrichtung Jesu gedeutet, in der die gesamte Unrechtsgeschichte der Menschheit zusammengefasst und – nach christlichem Glauben – ausgehalten und überwunden wird.
Eine Oration schließt die Feier. Segen und Entlassung entfallen, wodurch der auf das Wesentliche reduzierte Charakter dieser Zeit unterstreichen wird.
Ein besonderer Aspekt des Karsamstags, der in den orientalischen Kirchen eine große Rolle spielt, in der Kirche des Westens aber vernachlässigt erscheint, ist die Vorstellung vom Abstieg Jesu Christi in die Unterwelt, um dort alle zu befreien, wie dies im Glaubensbekenntnis ausgesprochen wird. So stellt die ostkirchliche Osterikone Christus auf den zerschmetterten Toren der Hölle dar, der Teufel liegt gefesselt am Boden und Adam und Eva werden an ihren Handgelenken aus dem Dunkel geführt. Die Texte der Trauermette vermitteln wie dieses Bild etwas von der Dynamik des Auferstehungsgeschehens, das ja nicht nur an Jesus oder von ihm vollzogen wird, sondern durch ihn für alle Menschen fruchtbar wird. Wie Jesus dürfen alle Glaubenden vertrauen, dass sie durch die Treue des Vaters aus dem Tod zum Leben geführt werden.
Die reichen Texte der Trauermetten erschließen Jesu Vertrauen angesichts der ausweglosen Situation und eröffnen dadurch auch uns eine Perspektive der Hoffnung auf je neues Leben.
Gekürzte Fassung eines Artikels von Prof. Ewald Volgger OT und Stefan Gugerel