Die Kunst der Einfachheit

Br. David Steindl-Rast und P. Johannes Pausch über die adventliche Haltung



Steindl-Rast beim Signieren (2)
Einen kräftigen Impuls zur Adventszeit gaben zwei bekannte Benediktiner am 5. Dezember bei uns. Für die Vortragsreihe „Mehrwert Glaube“ kamen sie zum Thema „Einfach leben!“ ins Gespräch. Steindl-Rast, der 1926 in Wien geboren wurde und in jungen Jahren in die USA emigrierte und dort Mönch wurde, betonte, einfach zu leben bedeute innezuhalten, sich seiner Lage bewusst zu werden und konkrete Schritte zu setzen. Diese adventliche Haltung veranschaulichte er mit einem Beispiel aus seiner Wahlheimat: „Wollen amerikanische Kinder die Straße überqueren, schärfen ihnen ihre Eltern ein: Stop – look – go! So ist es auch im geistlichen Leben: Stehenbleiben – hinschauen – etwas tun.“

Pausch beim Signieren„Einfach leben“, das ginge allerdings nicht alleine. Wir brauchen die Menschen unserer Umgebung. Das Prinzip des Vertrauens würde unser Leben erst ermöglichen, unterstrich Johannes Pausch, Gründer des Europaklosters Gut Aich am Wolfgangsee: „Wenn ich ins Auto steige, dann nehme ich an, dass es anspringt. Wenn ich da schon jedesmal von vornherein zweifele, dass es funktioniert, mache ich mich irre. Ein solches Urvertrauen brauchen wir auch gegenüber Menschen, sonst vergiften wir uns und andere.“ Der Heilige Benedikt würde mit dem ersten Wort seiner Regel „Höre!“ das Programm für den Advent und die Kunst des einfachen Lebens vorlegen: „Hören bedeutet sich aufzumachen, offen zu werden für den Anruf eines Anderen, der mich so kennt und annimmt wie niemand sonst.“ Wenn Benedikt seinen Mönchen einschärft, alle Menschen zu ehren, so bedeute dies, den anderen mit Wertschätzung zu begegnen und sie zu gewinnen, anstatt sie von sich zu stoßen. „Wenn ich auf Gott höre und alle Menschen, wirklich alle Menschen beachte und verehre, dann lebe ich aufmerksam und erfüllt“, sagte Pausch.

Steindl-Rast u. Pausch Vortrag - PublikumDavid Steindl-Rast führte diesen Gedanken weiter, indem er zwischen Angst und Furcht unterschied: „Unsere deutsche Sprache ist da sehr lehrreich. Wir sagen, etwas macht mir Angst. Das ist unvermeidlich, es kommt auf mich zu und bedrängt mich. Wie ich aber damit umgehe, das ist meine Wahl. Deshalb sagen wir: Ich fürchte mich.“ Der Glaube könne so viel Vertrauen geben, dass man immer mehr lerne, sich angesichts des Bösen in der Welt, der Ungerechtigkeit und der Schicksalsschläge immer weniger zu fürchten. „Die Furcht nimmt mir Leben, Vertrauen schenken mir Leben. Was ist denn das am meisten genannte Gebot in der Bibel?“, fragte Steindl-Rast und gab zur Antwort: „Fürchte dich nicht!“ Diese Worte riefen Johannes Pausch auf den Plan, der eifrig nickte und hinzufügte: „Die Weihnachtsbotschaft ist voll von diesem Satz. Immer wieder heißt es: ‚Fürchte dich nicht!‘ Der Engel trägt Maria auf, sich nicht zu fürchten, und den Hirten wird bei der Verkündigung der Geburt Jesu gesagt, sie sollen sich doch nicht fürchten.“ Das Ziel sei, sich nicht zu fürchten, auch wenn einen die Angst bedrängt, weil der Mensch letztlich geborgen ist bei Gott.

Pausch bei PredigtSteindl-Rast und Pausch waren sich auch darin einig, dass die Haltung der Dankbarkeit der Schlüssel zu einem erfüllten Leben sei: „Das Jetzt ist das größte und wertvollste Geschenk, wie wir im Ereignis von Weihnachten erleben können“, formulierte Pausch. Bruder David Steindl-Rast fügte hinzu: „Natürlich können wir nicht für alles dankbar sein. Es gibt Dinge, aus denen wir lernen können, an denen wir wachsen oder gegen die wir protestieren müssen. So kann ich sehr wohl für jede Gelegenheit dankbar sein, aus dem Moment vor Gott und mit ihm schöpferisch zu leben.“