Heimat haben

Gedanken zu Tod und Auferstehung … gerade in diesen Tagen stellen wir uns die Fragen „was kommt einmal?“, „war das schon alles?“, „wo gehöre ich hin?“ …

Winteransicht- SeppMandorfer„Wohin gehen wir?“ fragt der Dichter Novalis und gibt sich selbst die Antwort „immer nach Hause!“ Mit diesem Satz ist ausgedrückt, was eine unsere tiefsten menschlichen Sehnsüchte ist und was auch Jesus meint, wenn er davon spricht, dass uns eine Wohnung bereitet ist. Heimat. Wir Menschen sehnen uns danach, etwas zu haben, wo wir spüren, da gehör ich hin, da kann ich so sein, wie ich bin. Und das muss jetzt kein fixer Ort sein, Heimat kann ich auch in einer bestimmten Umgebung, bei Menschen haben. Heimat bedeutet Sicherheit, Geborgenheit. Und es ist interessant, wie tief diese Sehnsucht nach Heimat ist.

Wenn Kinder in den Kindergarten kommen, dann ist Heimweh am Anfang immer ein Thema, auch bei Schulveranstaltungen. Und wenn man ältere Menschen im Krankenhaus oder Altenheim besucht, dann kommt da auch oft die Frage „waun gemma denn hoam?“ Und auch für viele von uns, wäre es nicht wirklich vorstellbar gerade Weihnachten irgendwo mit irgendwem zu feiern. Heimat, das meint einen Ort, wo ich gerade in schwierigen Zeiten einfach hinkommen kann, einfach da sein kann, nichts zu leisten brauche. Natürlich hat einer meiner Lieblingsliedermacher auch ein Lied dazu: Viertel vor sieben. Darin erinnert er sich an seine Kindheit und wie positiv es war, am Abend heim zu kommen. Und dann singt er auch davon, dass mit den Jahren Probleme kommen, diese Sehnsucht nach Heimat aber bleibt.

Das Fell wird dünner und leerer der Becher,
Der Zaubertrank wirkt nur noch schwer.
Der Kummer ist tiefer, der Trost scheint schwächer,
Und es heilt nicht alles mehr.
Wo ist meine Sorglosigkeit geblieben,
Was machte Erkenntnis daraus?
Manchmal wünscht‘ ich, es wär‘ noch mal viertel vor sieben und ich wünschte, ich käme nach Haus!
Nur einen Augenblick noch mal das Bündel ablegen
Und mit argslosem Übermut,
Durch dunkle Wege, der Zuflucht entgegen
Und glauben können: Alles wird gut!
Manchmal wünscht‘ ich, die Dinge wär‘n so einfach geblieben
Und die Wege gingen nur gradeaus,
Manchmal wünscht‘ ich, es wär‘ noch mal viertel vor sieben und ich wünschte, ich käme nach Haus!

Es ist schön, welch positive Assoziationen „Heimat“ auslösen kann, obwohl wir natürlich auch wissen, dass man im Rückblick manches verklärt oder dass es eben auch Menschen gibt, die leider nicht diese Geborgenheit in ihrem Elternhaus erfahren haben. Hoffentlich aber anderswo. Eine Erfahrung, die wir im Leben dann auch machen ist, dass Heimat eben nicht unbedingt ein Ort sein muss, Menschen, …auch Glaube-Gott. Ich denke, jede und jeder von uns hat schon einmal, zumindest ansatzweise, gespürt, dass Glaube Kraft und Halt gibt oder dass es Augenblicke gibt, wo wir uns angenommen und rundum wohl gefühlt haben …vielleicht auch in der Kirche oder bei einem persönlichen Gebet. Weil Gott immer wieder in unserer Welt ankommt – zu Weihnachten feiern wir ja diese Ankunft alle Jahre – deshalb dürfen wir bei ihm ankommen. Und Glaube ist auch so ein „Ort“, wo man einfach sein kann und nicht „tun“ muss. Und solche Erfahrungen können uns gerade auch in schwierigen Zeiten Halt geben.

Die schwierigste Herausforderung in unserem Leben ist wohl der Tod. Gerade wenn wir gestern und heute unserer Toten gedenken, dann kommt bei vielen kein so gutes Gefühl hoch. Und ich weiß auch, dass das so ist und dass man das nicht mit leeren Glaubensfloskeln wegdiskutieren kann. Was ich aber sagen kann ist das, was wir Christen zutiefst glauben …glauben dürfen und müssen, weil Jesus es verheißen hat.

Dass unsere Lieben jetzt geborgen sind und Heimat haben. Früher hätte man hinter diese Aussage ein großes Fragezeichen gesetzt! Da wurde viel über Fegefeuer, Hölle usw. gesprochen und bis heute gibt es Menschen, die nicht wirklich glauben können, dass unsere Lieben nicht zu Tod und Teufel gehen, sondern zu Gott. Wie die kleine Heilige Therese von Lisieux sagt: „nicht der Tod wird mich holen kommen, sondern der liebende Gott!“ Sicher ist es nicht egal, wie wir leben und wir werden dann auch die volle Erkenntnis haben, das heißt spüren, was wir im Leben auch falsch gemacht haben. Aber über dem und hinter dieser Erkenntnis steht unser Gott, der wie ein guter Vater und eine liebende Mutter TROTZDEM oder gerade deswegen mit offenen Armen da steht. Vielleicht haben Sie das auch schon erlebt, man wartet auf das heranwachsende Kind, das auf einer Party ist, es kommt zu spät nach Haus, man macht sich Sorgen, man wird ängstlich, dann ärgerlich, „na der kann was erleben!“ …und das Kind kommt und kommt nicht, man wird immer wütender und auch ängstlicher „das wird ihm noch leidtun!“ …und wenn das Kind dann heimkommt, müde, geschafft, vielleicht auch weinend oder blutig von einer Schlägerei oder irgendwas …dann schimpft man nicht los, dann fallen alle Ängste ab und man nimmt es wortlos bei der Haustür in den Arm und kann alles verzeihn. Wenn schon wir Menschen solche Erfahrungen machen, wie viel mehr dann bei Gott.

Wir können es jetzt noch nicht verstehen, was uns wirklich erwartet. Wir können es aber erahnen, in den Momenten, wo wir jetzt schon Heimat ganz menschlich erfahren; in jenen Augenblicken, wo wir uns bei Gott-im Glauben geborgen fühlen; und schließlich dann in jenem Zustand den wir Ewigkeit nennen …das ist ja keine Zeit, sondern reinste Gegenwart und größtes Glück. Heimat – „a Stückl Hoamat oder so, des suacht doch jeda, und der ders finden ko, der fühlt si selig oder so sein gaunzes Leba,“ hat die Gruppe Bluatschink einmal gesungen.

Ich wünsche uns allen die Erfahrung der Heimat HIER und den Trost aus der Gewissheit dass wir auch DORT eine Heimat haben. Amen.
P. Franz