Was kommt danach?

Gerade an den Festen Allerheiligen und Allerseelen gedenken wir unserer leiben Verstorbenen …und fragen uns, was „Ewigkeit“ sein soll und wie wir mit dem Schmerz der Trennung fertig werden können. Eine Geschichte legt eine Spur …

neues leben„Pele und das neue Leben“ – eine Geschichte zu Allerseelen, Tod, Hoffnung auf Vollendung.
Pele wohnte mit seinen Eltern in einem Haus am See. Jeden Morgen rief er zum Nachbarhaus: »Tomo, komm und spiel mit mir!« Zusammen verbrachten die beiden viel Zeit, sie spielten mit dem Ball und erkundeten die Natur. An der Grenze zwischen Tomos und Peles Garten machten die beiden Kinder ein Beet. Mit dem Daumen hatten sie kleine Löchern in die Erde gedrückt und Samen hineingesteckt. »In ihnen steckt neues Leben«, hatte der Gärtner gesagt, als er ihnen die Samen schenkte. Tomo und Pele gossen das Beet und warteten auf grüne Spitzchen, die aus der Erde kommen. Sie warteten auf das neue Leben. An einem grauen Morgen öffnete sich Tomos Fenster nicht. Hinter der Scheibe sah Pele das Gesicht von Tomos Mutter Sarina. Sie drückte den Zeigefinger fest auf ihren Mund. Pele sollte still sein. War Tomo krank? Viele Tage war Pele still und das Fenster von seinem Freund öffnete sich nicht. Eines Tages ging Pele leise hinüber zu Tomos Haus. Vorsichtig klopfte er an die Tür. Niemand öffnete. Das Fenster der Küche stand aber offen. Da saß Tomos Mutter. Ihr Kopf und ihre Arme lagen schlaff auf dem Tisch. Leise kletterte Pele durchs Fenster und schüttelte Sarinas Arm. Da schaute sie ihn an: »Bist du es, lieber Pele?« Sie lächelte. »Tomo war plötzlich sehr krank. Niemand konnte ihm helfen,« sagte Sarina mit zittriger Stimme. Sie nahm Peles kleine Hand und hielt sie fest. So saßen sie eine Weile am Küchentisch. Und jetzt wusste es Pele: Tomo war tot. Zu Hause sprachen Pele und seine Mutter über Tomo. »Wie ist es, wenn man tot ist?« fragte Pele. »Tomo hat jetzt keine Schmerzen mehr. Er ist im Himmel. Dort ist es wunderschön.« »Aber der ist weit weg,« erwiderte Pele. »Nicht dieser Himmel, Pele! Es ist ein neues Leben. Ein Leben mit Gott. Wir wissen nicht, wie es ist.« erklärte die Mutter. Pele dachte lange nach. Das Leben war anders geworden ohne Tomo. Aber Pele lernte es, alleine zu spielen. Jeden Tag trug er auch zwei volle Gießkannen zum Beet. Und so begannen die Pflanzen zu blühen. »Das neue Leben,« sagte Pele leise. Die Pflanzen bekamen Blüten: blau, rot und gelb. Das neue Leben in dem Beet wurde immer schöner.

Nacherzählt nach Regine Schindel, „Pele und das neue Leben.“