Großherzig sein, weil ich geliebt bin!

Gedanken zu den Bibeltexten vom 25. Sonntag im Jahreskreis, 21. September 2014, von P. Franz.

weltkircheLesung: Jesaja 55,6-9 / Evangelium: Matthäus 20,1-16

„Der Neid is was schiachs“ sagt der Volksmund – zurecht. Sicher muss man bei der Definiton des Begriffes unterscheiden. Konstruktiv ist Neid, wenn er darin besteht, dass ich mir wünsche, das selbe zu haben, wie mein Nachbar, in diesem Fall könnte man noch von Gerechtigkeit sprechen, in dem Sinne, dass alle das gleiche bekommen. Destruktiv ist Neid dann, wenn ich dem Anderen nicht vergönnt bin, dass er mehr hat und ich mir wünsche, dass er es verliert oder ich vielleicht Hass empfinde.
Im Alltag wird die Haltung des Neids meist als Egoismus verstanden. Und wenn wir nun auf das Evangelium blicken, dann regt sich in uns vielleicht ja wirklich Verständnis für jene, die den ganzen Tag arbeiten. Das ist ja unfair, wenn der der nur eine Stunde arbeitet, das selbe bekommt, wie der der den ganzen Tag schuftet. Aus unserer Perspektive. Aber Jesus/Gott hat eine andere Blickrichtung. Auch der, der nur eine Stunde gearbeitet hat, hat vermutlich Familie, braucht das selbe zum Leben. Das verstehen wir noch und als sonntäglicher Appell zur sozialen Gerechtigkeit ist das in Ordnung. Ja, jeder soll leben können, das finden wir auch, solange es mich nicht betrifft. Aber wie schaut es denn in der Praxis aus.
Und damit sind wir bei heiklen Themen.

  • Wieviele Menschen – auch in meiner Familie – haben das Gefühl beim Erben zu kurz gekommen zu sein?
  • Was halten wir in Wirklichkeit von einer Mindestsicherung, die allen einen gewissen Betrag pro Monat zuweist, auch dem, der nichts arbeitet?
  • Ist das Un-Wort „Sozialschmarotzer“ wirklich zutreffend, um Menschen zu beschreiben?
  • Und das in den letzten Tagen sehr heiß diskutierte Thema „Asyl“. Glauben wir, dass es so etwas wie ein Grundrecht auf Asyl gibt oder sollen die nicht doch gefälligst daheim bleiben, was wir durch schärfere Grenzkontrollen ja durchaus erreichen würden?

Spannende Fragen, die die Emotionen hoch gehen lassen am Wirtshaustisch oder sonstwo. Freilich, in der Theorie sehen wir vieles ein …aber man braucht ja nur mal die Reaktionen ansehen, wenn irgendwo eine Notunterkunft für Asylwerber errichtet werden soll, da ist es dann schnell zusammengeräumt mit der christlichen Nächstenliebe. Da kommen dann Ängste auf, die letztlich Neid sind.
Warum sollen die was bekommen, die arbeiten ja nichts? Die sind ja Kriminelle, die stehlen uns, was wir uns redlich erarbeitet haben!

  • Freilich ist Erbschaftsrecht kompliziert, noch dazu wo da ja ganze Familiengeschichten von Wertschätzung und Liebe dazu kommen.
  • Sicher ist es zu einfach, zu sagen, jeder soll € 1000,– pro Person und Monat bekommen, egal wer was und wieviel arbeitet.
  • Natürlich könnte ich jetzt von Erich erzählen, wo ich mir auch so meine Gedanken mache, wie weit er das Sozialsystem ausnutzt …er hätte ja früher auch arbeiten gehen können.
  • Und selbstverständlich ist mir bewusst, dass das Asylthema ein ganz ein heikles ist. Ich habe schon 1995 ein Referat über Schubhaft gehalten und bin bis heute für mich noch zu keiner einfachen Lösung gekommen.

ABER, was viel entscheidender ist und worum es Jesus geht, sind nicht die heiklen Themen und Einzelfälle. Im Evangelium geht es darum, ob wir es annehmen können, dass wir bedingungslos geliebt sind. Dass nicht unsere Leistung, unser Besitz, unser Status, das Wichtigste ist, sondern die Tatsache, dass wir als Kinder Gottes geliebt sind.
Und letztlich ist die Frage des Neids auch eine Frage der Liebe. Warum bin ich denn neidisch? Weil ich meine, zu wenig vom Kuchen abzubekommen! Weil ich schon wieder vergessen habe, dass ich ja unendlich wertvoll bin! Wenn wir das Ganze mal so betrachten, wie viel Liebe Gott uns unverdient schenkt …und wievieles wir ja auch in unserem Leben einfach gratis bekommen haben, dann kann ich doch dem Anderen gönnen, dass auch er bekommt, was er zum Leben braucht. Dann muss ich doch nicht neidisch sein, auf den Afghanen der eine gebrauchte Winterjacke und einen Platz zum Schlafen und etwas zu essen bekommt, während ich meine Herbsteinkäufe tätige und im Restaurant den Tisch fürs Gansl-Essen reserviere.
Ja, das Leben ist nicht einfach …und es ist auch nicht einfach, den Neid abzulegen, zu tief sitzen manche Erfahrungen, Ängste, Gefühle. „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken!“ sagt Gott in der Lesung aus dem Buch Jesaja. Wir sind Menschen, wir müssen diese göttliche Gerechtigkeit, die eben auf den Einzelnen schaut und danach trachtet, dass jeder gut leben kann, nicht ganz verstehen. Wir sollen aber das tun, wozu die Lesung auch aufruft: „sucht den Herrn, solange er sich finden lässt!“ Gott will, dass wir ihn finden, dass wir ein geglücktes, zufriedenes, ewiges Leben erhalten. Neid, Wut, Zorn, Verbitterung, … haben mit diesem erfüllten Leben wenig zu tun. Fangen wir im Kleinen an, uns zu freuen, gelassener zu werden. Nicht weil wir das ja tun müssen als brave Christen und auch nicht, damit halt die anderen zufrieden sind. Sondern weil ja der Neid letztlich da drinnen ist und wir sind die einzigen, die da drinnen was verändern können. Probieren wir es und wir werden staunen, was sich im Kleinen und Großen verändert. Mich beeindruckt da Viktor Frankl, der gesagt hat: „ich muss mir von mir selber nicht alles gefallen lassen!“
Ich brauche mir den Neid nicht gefallen lassen, denn der ist was schiaches – und macht schiach – denken wir doch daran, wie hässlich verbitterte Gesichter sind. Wenn wir Ernst machen mit der Botschaft Jesu von der bedingungslosen Liebe, die eben auch uns geschenkt ist, dann wird es schön, dann werden wir schön, denn zufriedene Menschen sind schöner. Es ist schön, dass so viele schöne Menschen da sind! Amen.