Leseeindrücke zum Konzilsbuch von P. Bernhard

buchANSCHLUSSFÄHIG, BEKENNTNISSTARK , CHRISTLICH

Für die Zeitschrift des Stiftsgymnasiums „Cremifanensia“ beauftragte Direktor Leberbauer die junge Pädagogin Katharina Schulz aus Berlin mit einer Rezension des neuen Buches von P. Bernhard. Hier die Besprechung, die in Cremifanensia Nr. 75 (Juli 2014) auf den Seiten 24-26 abgedruckt ist:

Das 2014 erschienene Buch von P. Bernhard kann als Appell an das eigenen Glaubensleben verstanden werden: Ist meine Auffassung über den Glauben in der heutigen Welt anschlussfähig oder verbeiße ich mich hartnäckig in veralteten Traditionen? Lebe ich meinen Glauben bekenntnisstark, d.h. können meine Mitmenschen an meinen Handlungs- und Denkweisen „ablesen“, dass ich Christ bin? Lebe ich nicht so, dass man es sehen kann oder bin ich umgekehrt gar vergleichbar mit den im Matthäusevangelium beschriebenen Heuchlern, die ihr Beten zur Schau stellen? (vgl. Mt 6,1-6.16-18)

Impulse, die bei der Beantwortung für das persönliche Glaubensleben hilfreich sein können, sind in den Schriften der großen Bischofversammlung in Rom von 1962 bis 1965 – dem sog. II. Vatikanischen Konzil zu finden –, jedoch sind diese in ihrer Menge und häufig auch theologischen Tiefe kaum von einem Laien zu bewältigen bzw. bleibt es immer noch eine schwierige Aufgabe, die Inhalte in die Gegenwart zu „übersetzen“. Genau das leistet P. Bernhard in seinem Buch „Unterwegs im Geiste des Konzils“: So wie das Alphabet/ „ABC“ uns die Möglichkeit bietet, mit grafischen Zeichen vielschichtige Gedanken schriftlich festzuhalten, kondensiert das Buch auf strukturierte Art und Weise wesentliche Inhalte des Konzils durch zehn Einblicke (Kapitel) und überträgt die enthaltenen Werte und Grundsätze in die heutige Zeit. Diese „Verbindung von Theologie und praktischem Glauben“ (wie es Bischof Maximilian Aichern OSB im Vorwort des Buches formuliert) gelingt P. Bernhard in einer auch für „Nicht-Theologen“ verständlichen Sprache und mit zahlreichen anschaulichen Beispielen aus seinem Leben als Benediktinermönch, Seelsorger und Gymnasialprofessor. Das Ganze wird durch viele wertvolle Gedanken von Päpsten, Theologen und Philosophen angereichert, wobei der evangelische Konzilsbeobachter George Lindbeck, mit dem der Autor sich bereits in seiner Dissertation auseinandersetzte, besonders zur Sprache kommt. All diese Inhalte und Gedanken werden im Großteil sehr dicht verwendet, so dass das Lesen trotz der relativ verständlichen Sprache seine Aufmerksamkeit erfordert.

Die zehn Kapitel stellen die Auslöser und Kernpunkte des Konzils dar und nennen Möglichkeiten, wie diese Inhalte aktuell lebbar gemacht werden können: Zu Beginn steht der sog. Konzilspapst Johannes XXIII. im Fokus, der mit seiner humorvollen und demütigen Art für ein Weitergehen der „schwächlich gewordenen Kirche“ das II. Vatikanische Konzil (VK) 1962 einberief. Das zweite Kapitel widmet sich dem Kirchenbild, indem ein sehr einprägender Vergleich vorgenommen wird: Die Kirche ist mit dem Mond vergleichbar, der nur dadurch leuchtet, dass die Sonne (Christus) ihn anstrahlt (vgl. S.22). Der dritte Abschnitt hebt die Bedeutung und den Reichtum der Heiligen Schrift hervor: Durch die Rezeption (aller Teile!!!) der Bibel erfahren wir die Offenbarung als Selbstmitteilung Gottes und innerhalb dieses Beziehungsgeschehen treten wir mit Gott in Gemeinschaft, lernen Christus besser kennen und können Impulse für unser Leben entnehmen (27). Den Höhepunkt des Glaubens bildet die Liturgie, wo man Christus in besonders dichter Weise begegnen kann (35f) – dass das in der Volkssprache geschieht, ist ein Ergebnis des II. VK (4. Kapitel).

Der fünfte Einblick gibt Anstoß, den eigenen Glauben in der gegenwärtigen Zeit überzeugend und reflektiert zu leben, wonach die Zeichen der Gegenwart ergründet und „im Lichte des Evangeliums“ zu deuten sind (47f). In Kapitel 6 macht der Autor deutlich, welche Bedeutung dem Leben in den Orden und dem kirchlichen Amt zukommt. Besonders interessant ist das siebte Kapitel, das den „Weltauftrag“ der Laien beleuchtet. Wir leben als Christen an den Schnittstellen von Welt und Kirche und müssen daher die Extremvarianten vermeiden: den Glauben entweder in reiner Weltlichkeit aufzulösen oder aber zu einer reinen Spiritualisierung zu gelangen, die die gegenwärtige Zeit mit ihren aktuellen Problemen und Fragen nicht aufnimmt (66ff). Dass wir hinsichtlich unserer Glaubensreflexion und -praxis nicht nur auf unsere katholischen Glaubensschwestern und –brüder schauen sollten, sondern auch andere christliche Konfessionen Impulse geben können, die uns beim Hinterfragen und Verstehen helfen können, schlüsselt das achte Kapitel auf. Im folgenden Kapitel wird der Bogen auf die anderen Religionen ausgeweitet und zeichnet ein prophetisches Bild von einem neuen Verständnis vom Dialog der Religionen, welcher sich durch gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung dieser auszeichnet. Das für mich reichste Kapitel ist das zehnte, weil hier aufbauend auf den Inhalten der vorherigen Einblicke in das Konzil sieben Ermutigung zur Erneuerung aus dem Glauben gegeben werden: 1) der Glaube fordert Einsatz und Umkehr von jedem Einzelnen, 2) Re-formen wachsen von innen her, d.h. alte christliche Inhalte und Haltungen müssen in eine neue Form gebracht werden, 3) Rückschläge nach dem Konzil sind Aufträge für heute – gesellschaftliche Umbrüche müssen entsprechend mitbedacht werden, 4) das Fremde gehört zu mir – offen sein dafür, 5) Stärkung der Frauenstimme, 6) Lektüre geistlicher Literatur, z.B. von Karl Rahner, 7) Weniger Institution Kirche, mehr Geist(liches) soll im Mittelpunkt unseres Glaubenslebens stehen. (107ff)

Resümierend zeigt das Buch anhand der Inhalte des II. Vatikanischen Konzils, dass der Glaube etwas Dynamisches ist und nicht etwas ewig Feststehendes, verankert in Jesus Christus und der Liebe Gottes. Ich empfand die Lektüre als sehr bereichernd, da sie mir wesentliche Punkte des Glaubens aufzeigte und so eine kritische Reflexion meiner Ansichten ermöglichte. Infolgedessen konnte ich meine Glaubenspraxis weiter profilieren. Diese Möglichkeit bietet das Buch, weil der Autor die theoretischen Inhalte des Konzils in das praktische Leben transformiert. P. Bernhard plädiert in seinem Buch für ein konsequent christlich geführtes Leben, das von innen nach außen strahlt, und ermutigt uns so alle zu einem „neuen“ Glauben, der sich durch Anschlussfähigkeit und Bekenntnisstärke auszeichnet!

Bernhard Eckerstorfer, Unterwegs im Geist des Konzil. 10 Einblicke. Micha-Verlag 2014. € 13,90 ISBN: 978-3-902961-02-0. Erhältlich im Buchhandel oder beim Verlag: office@michaverlag.

Katharina Schulz ist Pädagogin in Berlin und absolvierte Praktika am Stiftsgymnasium Kremsmünster in den Jahren 2010 und 2013.