Tag des Lebens

(Predigt)Gedanken von P. Franz zum 1. Juni 2014

lebenWas ist das Leben?
Eine interessante Frage am heutigen „Tag des Lebens“! Und in der Tat zeichnet es doch uns Menschen aus, dass wir reflektieren können und vielleicht sogar müssen, was denn das Leben nun ist. Was ist das Leben? Eine kleine Fabel zeigt uns, welche Antworten es auf diese Frage gibt. „Was ist das Leben?“
Die Rose, die ihre Blätter entfaltete, sprach: „das Leben ist eine Entwicklung.“ Der Schmetterling, der lustig durch die Luft flog, meinte: „Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein.“ Die Ameise, die sich gerade mit einem Strohhalm abschleppte wandte ein: „Das Leben ist nichts als Mühe und Arbeit.“ Die Biene, die von einer honighaltenden Blume zurück kam: „Das Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen.“ Der Maulwurf steckte den Kopf aus der Erde und sagte: „Das Leben ist ein Kampf im Dunkel.“
Da setzte ein feiner Regen ein, der sagte: „Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen!“ Dann zog er weiter zum Meer, dort stöhnten die Wellen: „Das Leben ist ein stets vergebliches Ringen nach Freiheit.“ Hoch über ihnen zog majestätisch ein Adler seine Kreise, der frohlockte: „Das Leben ist ein Streben nach oben.“ Nicht weit davon stand eine Weide, die hatte der Sturm schon zur Seite geneigt. Sie sprach: „Das Leben ist ein Sich-Neigen unter eine höhere Macht.“ Dann kam die Nacht. In lautlosem Flug glitt ein Uhu durch das Geäst des Waldes und krächzte: „Das Leben heißt, die Gelegenheit nutzen, wenn die anderen schlafen.“ Schließlich wurde es still im Wald.
Nach einer Weile ging ein Mann durch die menschenleeren Straßen nach Hause. Er kam von einer Veranstaltung und sagte vor sich hin: „Das Leben ist ein ständiges Suchen nach Glück und eine Kette von Enttäuschungen.“ Auf einmal flammte die Morgenröte in ihrer vollen Pracht auf und sprach: „Wie ich, die Morgenröte, der Beginn des kommenden Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit.“

Was ist das Leben? Verschiedene Antwortmöglichkeiten! Was ist das Leben? Diese Frage müssen wir uns immer wieder gefallen lassen. Einfach so dahin leben, nach dem Motto www – wir wursteln weiter – ist heute sehr beliebt und durchaus eine verlockende Möglichkeit. Der heutige Tag des Lebens will unseren Blick heben und uns zeigen, dass Leben mehr ist, als Leistung und Funktionieren und Mitmachen und Buckeln und Mund halten. Wie es der deutsche Kinderliedermacher Rolf Zuckowski in einem seiner Lieder schön ausdrückt:

Leben ist mehr als Rackern und Schuften,
Leben ist mehr als Kohle und Kies.
Leben ist mehr als Warten auf morgen,
Leben ist jetzt, Leben ist dies.

Leben ist mehr als Hetzen und Jagen,
Leben ist mehr als nur Theorie.
Leben ist mehr als Zweifeln und Fragen,
Leben ist hier, jetzt oder nie.

Leben ist träumen, Lachen und Weinen,
Leben ist Zärtlichkeit und Gefühl.
Leben ist Lust und Leben ist Liebe,
Zeit für Musik und Zeit für ein Spiel.

Leben ist, miteinander zu reden,
Leben ist, aufeinander zubaun.
Leben ist, füreinander zu kämpfen,
Leben ist Hoffnung, Mut und Vertraun.

Ich denke, dass wir Leben oft zu negativ definieren. Und gerade dieser Tag des Lebens wird besonders von Organisationen die für den Schutz des Lebens und die Würde des Menschen vom Anfang bis zum Ende eintreten, begangen. Diese mahnen uns, dass wir den Wert des Lebens nicht von Leistung, Besitz, Gesundheit etc. abhängig machen dürfen. Als Christen sind wir gerade am heutigen „Tag des Lebens“ aufgerufen, nicht unsere Hände in den Schoß zu legen. Wir können nicht sagen: soll jeder nach seiner Fasson glücklich werden und tun was er will, Hauptsache mir geht’s gut. Wir müssen eine Allianz des Guten gründen. Und es beeindruckt mich, wenn man wirklich einmal bewusst wahrnimmt, wieviel Gutes geschieht – im mitmenschlichen, sozialen, familiären, kirchlichen, musikalischen Bereich.
Der Tag des Lebens ruft uns auf, das Leben mit all seinen Facetten wahrzunehmen, auf unser eigenes Leben blicken. Gleichzeitig sollen wir aber ermutigt werden, an einem guten Leben für alle mitzuarbeiten. Und scheinbar liberale Ansichten wie „ich kann tun was ich will, das ist mein Recht“ können allzu schnell egoistisch werden. Ja, Leben nach den Geboten Gottes heißt in erster Linie „Freiheit“. Leben nach den Geboten Gottes heißt aber auch „Ermöglichung der Freiheit und Entfaltung der Freiheit und des Lebens für alle!“ Leben nach den Geboten Gottes heißt „ewiges Leben“ und das heißt, wie uns das Evangelium sagt „dich, dein einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“
Geglücktes Leben für alle ist Beginn der Ewigkeit, ist Liebe. Fangen wir an, dass durch uns sichtbar wird, das Leben mehr ist, als oberflächliche Vorstellungen und zeitgeistige Maßstäbe uns vorgeben. Gott hat damit den Anfang gemacht, in seinem geliebten Sohn Jesus Christus. Wir müssen weiter machen! Amen.