Gedanken zum Palmsonntag

von P. Bernhard

osternAls Kind war ich manchmal über die Osterferien mit meiner Familie in St. Wolfgang. Was ich von meiner Linzer Pfarre her nicht so kannte, beeindruckte mich am Palmsonntag im Salzkammergut: Fast jeder hatte Palmbuschen in der Hand, viele auf langen Holzstangen angebracht. Die schön gebundenen Zweige machten die Prozession eindrucksvoll, verliehen der Messe in der Kirche eine besondere Atmosphäre und wurden dann oft nach der Palmbuschenweihe zuhause auf den Dachboden gelegt, zum Hergottswinkel gegeben oder auch aufs Feld gesteckt.
Später als Theologiestudent las ich die Reisebeschreibung einer Pilgerin aus Westeuropa, die im 4. Jahrhundert ins Heilige Land gepilgert war. Egeria berichtet vom Palmsonntag in Jerusalem: „Zuerst wird das Evangelium gelesen, wo die Leute mit Zweigen und Palmwedeln dem Herrn entgegengehen und rufen: ‚Gesegnet, der kommt im Namen des Herrn.‘ Dann geht das ganze Volk vom Ölberg hinab. Und alle tragen Zweige, die einen von Palmen, die anderen von Ölbäumen. So wird der Bischof in der Weise geleitet, wie der Herr nach Jerusalem hineinbegleitet worden ist.“
Pilger, die das in Jerusalem erlebt hatten, wollten auch in ihrer Heimat das Gedächtnis an den Weg Jesu Christi begehen und am richtigen Tag die passenden Texte hören und die Palmprozession nachvollziehen. Das geschieht auch heute wieder, in Oberösterreich.
(verfasst für die Sonntagsgedanken in Radio Oberösterreich, ORF 2014)