Die Reise des Heiligen Agapitus

Abt bringt Reliquie nach Sant‘ Agapito – ein Reisebericht

sanagapito2Unsere Haustradition besagt, dass Kaiser Arnulf von Kärnten unserem Kloster vor über 1000 Jahren die Reliquien des Heiligen Agapitus von Praeneste (heute Palestrina) schenkte. Seit vielen Jahren bestehen gute Kontakte nach Palestrina und nun auch nach Sant‘ Agapito in der Provinz Isernia in Italien. Von 28. bis 31. März 2014 ist nun eine Delegation aus Kremsmünster, um eine Reliquie unseres Klosterpatrons feierlich zu übergeben. Unsere italienischen Freunde haben dafür eigens einen sehr „italienischen Reliquienschrein“ angefertigt – in Form einer Hand in der deren Mitte nun der Knochen ausgestellt ist.
Entsprechend dem italienischen Temperament wurde unsere Delegation samt Reliquie auch am Freitag 28. März begrüßt, eine Festmesse mit Bischof Domenico Sigalini von Palestrina gefeiert und die Reliquie durch die Bevölkerung mit Küssen verehrt. Auch wenn uns diese Art der Frömmigkeit eher fremd ist, so ist die Verbindung zu unseren italienischen Freunden doch ein großes Geschenk.

sanagapito3So machten sich P. Robert und P. Benno mit der Reliquie im Auto auf den Weg, per Flugzeug kamen Abt Ambros, Bürgermeister Obernberger und weitere Vertreterinnen aus Kremsmünster und aus Rom kam unser Mitbruder P. Daniel (der momentan dort studiert). Sehr schön brachte es Abt Ambros am Freitag auf den Punkt: „Wir haben durch die Reliquie nichts verloren, sondern gewonnen, eben durch den Glauben und die Gebete der Menschen von Sant‘ Agapito und diese besondere Freundschaft!“

Sehr schön schildert P. Benno in seinem Reisebericht:
Im September 2011 haben wir den Reliquienschrein unseres Klosterpatrons in dieses kleine, 100 km nördlich von Neapel gelegene Städtchen zur Verehrung gebracht und dabei den Wunsch von Pfarrer und Bürgermeister nach einer Reliquie, die auf Dauer in der Pfarrkirche bleiben soll, gehört. Im Rahmen einer Wallfahrt haben wir ihren Herzenswunsch erfüllt und einen Mittelhandknochen des Heiligen in einem von einem heimischen Künstler geschaffenen bronzenen Handreliquiar überbracht. Wieder war die Freude der Bevölkerung groß, und wir konnten die herzliche Gastfreundschaft in vollen Zügen genießen.
Am Freitag, den 28. März haben wir – P. Robert und ich – die Reliquie, die wir aus Pietätsgründen nicht als gewöhnliches Fluggepäck schicken wollten, im Auto nach Sant‘ Agapito begleitet, während Abt Ambros, Alexandra Hauzenberger, Bürgermeister Gerhard Obernberger mit Gattin und drei Gemeindevertreterinnen im Flugzeug nachkamen. Mit Musikkapelle und Feuerwerk wurden wir von Exzellenz Segalini, dem Bischof von Palestrina, dem Pfarrer Don Luigi Russo und dem Bürgermeister Giuseppe di Pilla empfangen.
sanagapitoAm Samstag folgte die Wallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes in Castelpetroso, die 1888 zwei Hirtinnen dort erschienen ist. Am Nachmittag erlebten wir die Eröffnung einer Ikonenausstellung, einen ausführlichen Vortrag vom Pfarrer über die christlichen Märtyrer und ihre Reliquien und ein berührendes Kindermusical, das den Hl. Agapitus als modernes Beispiel für Solidarität, Achtung der Menschenwürde und der weltweiten Zusammenarbeit vorstellte. Nach der Hl. Messe genossen wir ein wunderbares Konzert von vier Musikern auf verschiedenen Instrumenten, u.a. ein Dudelsack, die uns die „Klänge des Molise“ (so heißt die Region) auf höchstem Niveau nahebrachten.
Am Sonntag wurde zuerst eine „Piazza Kremsmünster“ eingeweiht, dann besuchten wir ein Asylantenheim, das die kleine Gemeinde für Flüchtlinge aus Nordafrika – Burschen bis zu 18 Jahren – gebaut hatte – eine vorbildliche Leistung dieser 1300 Einwohner zählenden Gemeinde! – und dann die Festmesse mit anschließendem Festessen.
Um 18 Uhr war die Vesper in der Kirche und eine lange Reliquienprozession durch die engen und steilen Gässchen der Stadt unter den Klängen der im Vorjahr gegründeten Musikkapelle mit einem Riesenfeuerwerk am Schluss. Beim anschließenden Abendessen wurden noch mehrere Gedenk- und Dankreden gehalten, jeweils übersetzt von P. Robert und Frau Hauzenberger, und Gastgeschenke ausgetauscht. Alles endete in fröhlicher Stimmung.
Am Montag nahmen wir Abschied von diesem gastlichen Städtchen, besuchten noch die Wiege unseres Ordens, das stattliche Kloster Montecassino, und waren nach einem einstündigen Flug Rom-Wien am späten Abend wieder in Kremsmünster – voll schöner Erinnerung und tiefer Dankbarkeit für die Gastfreundschaft und die Verehrung, die dort dem Hl. Agapitus entgegengebracht wird: Sie möge beispielgebend auf für uns sein!