Verwandlung am Jakobsbrunnen

brunnenGedanken zum Evangelium des 3. Fastensonntags – Joh 4,5-42

Ich habe einen Charakterzug, eine Eigenschaft, die ich manchmal als durchaus negativ empfinde. Ich kann furchtbar aufbrausend und jähzornig sein. Als Kind bin ich oft davon gelaufen, hab die Tür zugeknallt …und gewartet, dass jemand kommt und mich wieder beruhigt, sich womöglich bei mir entschuldigt. Heute denke ich nach, wenn ich wieder einmal einen authentischen Auszucker habe …und vor allem ist da Scham. Dann sitze ich genknickt im Zimmer und ärgere mich …vor allem über mich selbst, schäme mich, weil ich ja erkenne, dass ich falsch gehandelt habe …und am Besten ist es dann, wenn mich eine Zeit lang niemand anspricht.
Genau das aber tut Jesus in der heutigen langen Evangelienstelle. Um die Mittagszeit sitzt er beim Brunnen …und da kommt eine, die da eigentlich nicht hinpasst. Um die Mittagszeit Wasser schöpfen, das tut eine einzelne Frau nicht, höchstens eine, die dazu gezwungen wird …weil sie Sklavin ist oder weil sie in einer bedrückenden sozialen Situation ist. Im Laufe des Gespräches wird deutlich, dass es sich um die zweite Option handelt. Da kommt eine, die voll Scham ist. Und dann wird sie auch noch angesprochen von einem fremden Mann. Er fordert sie auf, ihr zu trinken zu geben, er fragt nicht, was sie hier macht und verurteilt sie nicht. Aber im Laufe des Gespräches spricht er ihre Situation doch auch an. Zuerst aber begegnet er ihr auf Augenhöhe und dann redet er so mit ihr, dass sie nicht bloßgestellt ist, sondern selbst erkennt, was sie falsch gemacht hat und wer es ist, der mit ihr spricht. Auch uns tut es gut, wenn uns jemand auf Augenhöhe begegnet …und wenn wir dann auch aussprechen können, was uns belastet. Denn in Wahrheit tragen wir alle unsere leeren Krüge zum Brunnen. Brunnen sind ein besonderer Ort gewesen …Ort der Kommunikation, aber auch Ort der Einsamkeit, denken wir an die Prinzessin beim Froschkönig, die sich auch zum Brunnen zurückzieht, um aufzutanken und dort dann gleichermaßen Leid und Glück findet.
Auch die Frau am Jakobsbrunnen kann auftanken, auch wenn sie nicht alles versteht, was dieser Jesus ihr sagt, aber sie merkt: das ist der, der erfülltes Leben bringt, der mich aufrichtet, der mich ansieht. Umschrieben wird das mit dem lebendigen Wasser. Das was uns lebendig macht, erfrischt, aufrichtet, auch unsere Schuld abwäscht …unsere Scham von uns nimmt, ist wenn wir mit den Augen der Liebe angesehen werden. Genau das tut Jesus bei der Frau. Das tut er auch bei uns. Er blickt in Liebe auf uns, er möchte uns aufrichten, er nimmt die Scham und die Schuld von uns. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen haben wir aus dem Römerbrief gehört. Wir sind nicht perfekt, wir haben Charakterzüge, Eigenschaft, Erlebnisse, die wir mittragen …ich bin einfach aufbrausender wie andere… und es geht auch darum, sein Leben, seine Geschichte anzunehmen …auch das kann die Frau, ihre nicht wirklich perfekte Lebensgeschichte annehmen, weil sie merkt, da ist einer, der mich annimmt.
Lassen wir unsere Krüge immer neu von Gott erfüllen, gehen wir immer wieder zu unseren Brunnen, zu jenen Orten, wo wir auftanken können …und alles wird gut.
So wie bei der schönen Prinzessin im Froschkönig …wo all die Sorgen und Probleme letztlich vergehen, weil die Liebe siegt. Zum Schluss wird berichtet, dass die Bande, die der treue Diener des Prinzen um sein Herz hatte abspringen, weil sein Herr nun erlöst und glücklich ist.
Auch alles, was unsere Herzen gefangen hält und beschwert, kann von uns abspringen, wird vergehen, wenn wir uns der Liebe Gottes anvertrauen, weil auch wir dann erlöst und glücklich sind.
P. Franz