Die Verklärung Jesu – ein Trailer

Predigt-Impuls zum 2. Fastensonntag von P. Bernhard

verklaerung-thebestkvIch gehe manchmal mit jungen Leuten ins Theater, in ein Konzert, ins Kino. Ich habe keine Familie und möchte junge Menschen, die mir anvertraut sind, in vielerlei Weise begleiten. Seelsorge ist nicht nur Gottesdienst, persönliches Gespräch und Sakramentenspendung, sondern besteht für mich auch darin, Freizeit sinnvoll miteinander zu verbringen. Wobei die Sorge um unsere Seelen dann immer gegenseitig verläuft: Wie junge Menschen die Dinge sehen, aufnehmen und verarbeiten bereichert mich selbst und regt mich an zu neuen Gedanken und Wegen der Glaubenserfahrung. Denn Gott spielt bei solchen Abenden immer eine Rolle. Er will im Alltag zur Sprache gebracht werden – dann können junge Leute auch mehr mit ihm anfangen.
Natürlich gehe ich nicht zu einer x-beliebigen Veranstaltung und deute sie dann künstlich religiös. Ich schaue auf Kritiken, lese Beiträge in kirchlichen Zeitungen und theologischen Zeitschriften, höre mich um. Die jungen Leute dagegen verschaffen sich bei einem Kinofilm sofort einen Überblick durch den Trailer in Youtube.
Ein Trailer verschafft in 2-3 Minuten einen Eindruck über den Film. In kurzen Szenen bekommt man eine Ahnung, worum es in diesem Film geht; man merkt welche Stimmung verbreitet wird: Ist es ein Actionfilm oder eine romantische Liebesgeschichte, geht es hart zu oder besinnlich-meditativ? Der Trailer will Lust darauf machen, sich den Film in voller Länge anzusehen. Eines darf er nicht: alles vorwegnehmen. Er soll einen Vorgeschmack auf das volle Kinoerlebnis bieten.
Die Verklärung Christi ist der jedes Jahr wiederkehrende Trailer des 2. Fastensonntags. Ein Trailer in der Messe für den Film Gottes. Eine Kurzfassung der einschneidenden Erfahrung, wie die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes den Tod und die Auferstehung Jesu erleben. In allen drei synoptischen Evangelien (Markus, Matthäus, Lukas) kündigt Jesus direkt vor der Verklärung das erste Mal an, dass er leiden und sterben, aber auch auferstehen werde. Ein Schock für die Jünger! Wie wird das sein, was wird folgen? Deshalb folgt dann in diesen Evangelien gleich die Verklärung als Vorschau, damit die Jünger dran bleiben und auf einen guten Ausgang hoffen. Das strahlend weiße Gewand nimmt Jesu Verwandlung in der Auferstehung vorweg. Darauf zielt die Geschichte ab. Doch Verklärung auch für uns? Der Ausgang für uns ist ungewiss, das Drama kann beginnen: Petrus, Jakobus und Johannes mit Jesus allein auf dem Berg, den man später Tabor nennen wird. Aber sie bleiben nicht allein. Mose und Elija tauchen auf, die Stars des Alten Bundes. Sie stehen für das Gesetz und die Propheten. Wie wenn altbekannte Gestalten aus der Filmgeschichte auftauchten, Garanten dafür, dass hier alles aufgeboten wird. Die Spezialeffekte bleiben auch nicht aus: Die Stimme aus dem Off – „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich gefallen gefunden habe, auf ihn sollt ihr hören.“ Jesus ist also der Hauptdarsteller. Petrus will sich da gleich niederlassen, drei Hütten bauen; er hat noch nicht begriffen, dass es bloß ein Trailer ist und der ganze Film sein Leben sein wird.
Dieser Trailer erzeugt Interesse am Hauptdarsteller, an der Dramatik, am hoffentlich glorreichen Ende. Er zeigt die Bedeutung Jesu für alle Zeiten (Mose und Elija), die Gemeinschaft mit ihm (unübertroffen dann im Abendmahl), sein schreckliches Leiden (Verrat, Verleugnung, Kreuzigung). Christus als strahlende Sonne, ganz in weiß („wie es auf Erden kein Bleicher machen kann“) – Vorausschau auf die Auferstehung. Das alles ist im Verklärungs-Trailer schon angedeutet, und es braucht dann einen langen Film, das auszudeuten.
Aber das alles ist noch nicht fertig gedreht. Jesus lebte ja nicht bloß vor 2000 Jahren und trat dann für immer ab. Nein, er lebt, auch heute noch! So ist das Evangelium zum Drehbuch auch meines Lebens geworden. Ich bin drinnen im Film wie Mose und Elija, wie Petrus, Jakobus und Johannes. Je mehr ich dieses Drehbuch als Vorlage meines Lebens nehme, desto deutlicher gehe ich die Wege des Herrn und erfülle seinen Willen. Dann wird es mir zwar auch wie bei den biblischen Gestalten auf und ab gehen, spannend und bangend werden, schön und beglückend – aber letztlich weiß ich, dass das Licht auf mich wartet und auch mich verklären will. Die Langfassung des Films dauert gerade an. Das Kino Gottes ist sein Leben und mein Leben – in Wirklichkeit und Echtzeit, damit sein Leben immer mehr mein Leben werde.
Kürzlich wurden die Oscars verliehen. Gespannt erwarteten viele, wer ausgezeichnet werden würde. Interesse für die Welt ist gut. Deshalb gehe ich auch mit jungen Leuten ins Theater, ins Konzert, ins Kino. Aber das darf für uns nicht alles bedeuten. Die Kirche brauche gerade heute „Entweltlichung“, um frisch ins Heute sprechen zu können, sagte 2011 Benedikt XVI. in Deutschland. Und Papst Franziskus ruft seit einem Jahr kraftvoll dazu auf, sich nicht der Verweltlichung hinzugeben. Und deshalb muss der Film, der unser Leben ist, letztlich andere Akteure haben als sie in der Welt angepriesen, diskutiert und prämiert werden.

Oscarverleihung – einmal anders (ein Vorschlag – es gibt viele weitere Möglichkeiten)
Bestes Regie: Gott (Vorsicht: seine Regieanweisungen sind unscheinbar und leise, weil ihm unsere Freiheit als Ebenbilder und Co-Regisseure heilig ist).
Bester Hauptdarsteller: Jesus (er kann’s wie kein anderer, wird aber oft nicht engagiert).
Beste Nebendarsteller: Die Apostel und die Heiligen – und ich, wenn ich nur will.
Bestes Drehbuch: Der Heilige Geist, der auch die biblischen Autoren inspiriert hat und uns anleiten möchte.
Beste Kamera: Die Bibel und das Leben wie die Schriften heiliger Menschen – durch diese Linsen sehen wir, wer wir sind und was uns Gott bedeuten könnte.
Beste Filmmusik: Altes und neues geistliches Liedgut (für mich bes. „O Jesu“, „Feuer und Flamme“ sowie „God will make a way“ J) – und klassische Musik von Bach, Bruckner u.a.
Beste visuelle Effekte: Ikonen; christliche Literatur, z.B. Tolkiens Herr der Ringe und C.S. Lewis‘ Narnia; auch die gleichnamigen Verfilmungen sowie weitere tiefe Filme wie „Von Menschen und Göttern“ oder zuletzt „All is Lost“ mit Robert Redford – siehe den Trailer auf: http://www.youtube.com/watch?v=Sc6X8JdQoHw

Übrigens: Nachzulesen ist der beste Trailer aller Zeiten bei Mt 17, Mk 9 und Lk 9 in drei leicht voneinander abweichenden Varianten.

Die Idee des Vergleichs zwischen Trailer und Verklärung Christi und einige Formulierungen habe ich übernommen von Peter Schipka, dem Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, aus der Zeitschrift des Canisiuswerks „Miteinander“.