Erfülltes Leben!?

Heute hatte ich „freien Tag“ …das heißt, eigentlich auch wieder sehr erfüllt. Am Vormittag war ich in einer Schule in Linz zu Gast und habe in vier Klassen über „Orden-s-Leben“ gesprochen. Interessant, mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, denen unsere klösterliche Welt eher bis ganz fremd ist …und dennoch: sehr bereichernd …und immer das selbe …es geht ums Leben …um erfülltes, geglücktes Leben …diese Sehnsucht liegt ganz tief in uns, ob wir jetzt „in der normalen Welt“ oder im Kloster leben, ob wir besonders gläubig oder einfach auf der Suche sind …ein paar Gedanken fallen mir dazu ein.

erfülltes lebenDrei Grundfragen sind uns Menschen mitgegeben: „woher kommen wir?“, „wohin gehen wir?“, „was ist der Sinn?“ Und genau diese Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt mich am meisten. Manchmal habe ich den Eindruck, nur so dahin zu leben, eingespannt zwischen Erwartungen und Aufgaben und eigentlich Sinn-los. Und doch gilt die Zusage Jesu: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10) Was aber ist nun dieses Leben in Fülle?
Erfülltes Leben ist Quantität?
Familie, Arbeit, Freizeit, Freunde, Verpflichtungen, … diese Dinge prägen unser Leben und können es ganz schön geschäftig machen. Die Terminkalender sind voll, wir hetzen von einem Termin zum nächsten, organisieren unseren Alltag, müssen so vieles erledigen und erleben. Unser Leben ist erfüllt und dennoch haben wir das Gefühl, am wahren Leben vorbei zu leben.
Erfülltes Leben ist Qualität!
Das Leben, von dem Jesus spricht, meint eine andere Dimension. Leben in Fülle ist: Heimat haben, Geborgenheit erfahren, Ausspannen können, Ziele verfolgen, Träume leben, Staunen können, Sinn suchen, Leben teilen, … wenn wir mit kindlicher Offenheit einfach leben, dann stellt sich erfülltes Leben ein, das nichts mit Stress sondern mit Lebens-Qualität zu tun hat.
Schritte zu erfülltem Leben
Etwas, das mir sehr hilft, ist der Blick auf mein Leben. Im Alltag immer wieder inne halten und auf mich und mein Leben schauen, reflektieren wo ich gelebt habe und wo ich gelebt wurde. Und wenn unser Ordensvater Benedikt in seiner Regel davon spricht, den Tod täglich vor Augen zu haben, dann heißt das für mich auch, mich mit folgender Frage zu beschäftigen: „Was möchte ich in der Stunde meines Todes über mein Leben sagen können?“ Versuchen Sie einmal, dieser Frage nach zu gehen … Sie werden staunen, was sich verändert.
P. Franz